Halsschmerzen: Klassische Arzneimittel

Halsschmerzen "Antibiotika"

© PantherMedia / Jan Mika

Halsschmerzen sind ein häufiges Symptom, welches im Rahmen einer Rachenentzündung (Pharyngitis) auftritt. Diese ist zu 80% durch eine virale Infektion der oberen Atemwege bedingt. Da Antibiotika ausschließlich gegen Bakterien wirken, ist das Einnehmen von Antibiotika bei Halsschmerzen ineffektiv. Trotzdem werden Antibiotika noch viel zu häufig bei Erkältungsbeschwerden wie Halsschmerzen verschrieben. Bei falscher Begründung (Indikationsstellung) oderunsachgemäßer Einnahme durch den Patienten entwickeln sich mit der Zeit immer mehr Bakterienstämme, gegen die das gewählte Antibiotikum nicht mehr wirksam ist (antibiotikaresistente Bakterienstämme). Die Therapie von Infektionen, welche durch antibiotikaresistente Bakterien verursacht werden, stellt eine große Herausforderung in der Medizin dar.

In seltenen Fällen können Halsschmerzen aber auch durch eine Infektion mit Bakterien verursacht werden, was eine antibiotische Therapie indizieren würde.Im folgenden Text soll auf die medizinischen Fakten, welche den Einsatz von Antibiotika rechtfertigen, die Wirkungsweise, Anwendung und Dosierung, sowie Nebenwirkungen von Antibiotika eingegangen werden.

Medizinische Fakten

Halsschmerzen sind ein sehr häufiges Symptom, an welchem im Durchschnitt jeder Dritte einmal jährlich leidet. Ursächlich ist zu 50-80% eine virale Infektion der oberen Atemwege, welche meist durch Rhinoviren und Coronaviren bedingt ist. In wenigen Fällen werden Halsschmerzen durch eine Infektion mit Bakterien verursacht. Hierbei stellen mit 15-30% Streptokokken der Gruppe A, wie Streptococcus pyogenes (GAS-Pharyngitis – Gruppe A Streptokokken), die häufigsten Auslöser der bakteriellen Infektion dar. Klassischerweise manifestiert sich die GAS-Pharyngitis mit folgenden Begleitbeschwerden:

  • sehr plötzlich beginnende Halsschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • Fieber
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • geschwollene Gaumenmandeln (Tonsillen) mit weißlichen Belegen (Tonsillenexsudat)
  • schmerzhafte Halslymphknoten
  • bei Kindern ggf. Übelkeit, Erbrechen

Die Beschwerden klingen meist nach eine Woche wieder ab.Da die sinnvolle Anwendung (Indikation) einer antibiotischen Therapie streng geprüft werden muss, wurde ein Punktesystem entwickelt, mit welchem die viral und bakteriell bedingte Rachenentzündung anhand der Symptome differenziert werden kann. Der sogenannte Centor-Score beinhaltet dabei folgende vier Kriterien:

  • Fieber über 38°C (1 Punkt)
  • Fehlen von Husten (1 Punkt)
  • geschwollene Halslymphknoten (1 Punkt)
  • entzündliche Absonderungen an den Gaumenmandeln z. B. Eiter (Tonsillenexsudat) (1 Punkt)

Jedes Kriterium erhält bei positivem Befund einen Punkt. Bei einem Ergebnis von vier Punkten ist eine bakterielle Ursache der Infektion zu 50-60% wahrscheinlich und demnach eine antibiotische Therapie nach genauer Abwägung und Berücksichtigung der Kontraindikationen sinnvoll. [1]

Wirkungsweise

Antibiotika können anhand ihrer Wirkungsweise in zwei große Gruppen eingeteilt werden. Zum einen gibt es Antibiotika, welche die Vermehrung und das Wachstum von Bakterien hemmen (bakteriostatische Antibiotika). Auf der anderen Seite existieren Antibiotika, welche Bakterien abtöten (bakterizide Antibiotika).

Bei der GAS-Pharyngitis werden bakterizide Antibiotika eingesetzt, welche mit Hilfe eines Beta-Lactam-Rings (Beta-Lactam-Antibiotika) den Aufbau der Zellwand von Bakterien hemmen. Die Zellwand von Bakterien ist aus Murein aufgebaut, welches sich aus Zuckermolekülen und Aminosäuren zusammensetzt. Die Mureinbausteine werden über weitere Aminosäuren (Oligopeptide) verbunden. Die Bildung (Synthese) der Zellwand wird mit Hilfe des Enzyms Beta-Lactamase katalysiert. Beta-Lactam-Antibiotika können nach Aufspaltung des Beta-Lactamrings jene Enzyme blockieren und somit den Aufbau der Zellwand hemmen, welche für Bakterien lebensnotwenig ist.

Zu den Beta-Lactam-Antibiotika zählen:

  • Penicilline (z.B. Penicillin V)
  • Cefalosporine (z.B. Cefotaxim)
  • Carbapeneme (z.B. Imipenem) [2]

Anwendung und Dosierung

Antibiotika sollten wirklich ausschließlich eingenommen werden, wenn der seltene Verdacht einer bakteriellen Infektion besteht. Da in der Regel eine virale Infektion ursächlich ist, erfolgt eine symptomatische Therapie mit Schmerzmedikamenten, welche beispielsweise den Wirkstoff Ibuprofen enthalten, da dieser gleichzeitig entzündungshemmend wirkt.

Mittel der ersten Wahl bei Halsschmerzen durch eine bakteriell bedingte Rachenentzündung ist Penicillin, sofern keine Unverträglichkeiten bestehen. Das Antibiotikum muss mindestens über sieben Tage 3x täglich eingenommen werden, um einer Resistenzbildung der Bakterien entgegenzuwirken. [2]

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Eine Unverträglichkeit bzw. Allergie gegen Penicilline äußert sich typischerweise mit folgenden Symptomen:

  • rötlicher Hautauschlag (Exanthem)
  • Fieber
  • ggf. Ödembildung durch Wassereinlagerung in der Haut
  • ggf. Blutbildveränderungen (Thrombozytopenie, Anämie)

Bei diesen Symptomen sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.

Von der Penicillin-Allergie abzugrenzen ist das Penicillin-Exanthem, ein Hautausschlag, welcher häufig nach Einnahme von Penicillin auftritt. Der Hautausschlag ist besonders stark ausgeprägt, wenn das Antibiotikum fälschlicherweise bei Halsschmerzen gegeben wird, welche als Symptom des Pfeifferschen-Drüsenfiebers (Mononukeleose) durch eine Infektion mit Epstein-Barr-Viren verursacht wurden.

Als Nebenwirkungen werden häufig Durchfälle und Übelkeit bei Antibiotikaeinnahme beobachtet. Dadurch kann die Wirkung von oralen Kontrazeptiva (Pille) beeinträchtigt werden und eine ungewollte Schwangerschaft auftreten. Darüber hinaus besteht eineWechselwirkung mit dem antirheumatischen Medikament mit dem Wirkstoff Methotrexat, da dieses die Ausscheidung von Penicillin verhindert, wodurch die Wirkdauer verlängert wird.[2]

Zu beachten

Die Einnahme von Antibiotika bei Halsschmerzen sollte kritisch hinterfragt werden. Selbst bei Vorliegen einer bakteriellen Infektion verkürzen Antibiotika die Krankheitsdauer lediglich um maximal einen Tag. Darüber hinaus wird durch die Einnahme von Antibiotika die Darmflora stark beeinflusst, was Neuinfektion begünstigt. [1]


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen