Halsschmerzen: Klassische Arzneimittel

"Paracetamol" gegen Halsschmerzen

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Das Wichtigste in Kürze

Hersteller: diverse

Wirkstoffe: Paracetamol

Darreichungsform: Tabletten

Rezeptfrei?: ja

Hilft bei Halsschmerzen: nur bedingt

Halsschmerzen im Rahmen einer Erkältung basieren auf einer lokalen Entzündungsreaktion der Mund- und Rachenschleimhaut. Kardinalzeichen einer Entzündung (Inflammation) sind Rötung, Schwellung, Wärme, Schmerz sowie eine gestörte Gewebefunktionen (durch nun auf Entzündung ausgerichteten Zellstoffwechsel). Alle diese Symptome können mit Hilfe antientzündlich wirksamer (antiinflammatorischer) Arzneiwirkstoffe gemildert werden. Paracetamol wurde 1893 erstmals synthetisiert (künstlich hergestellt) und ist bis heute nach Aspirin das am häufigsten gebrauchte nichtsteroidale (= Cortison-freie) Antiphlogistikum/Antirheumatikum (NSAP oder NSAR, Mittel zur Bekämpfung von Entzündungen)[1].

Medizinische Fakten

Paracetamol (kurz PCM), auch Acetaminophen genannt, hemmt ein Enzym namens Cyclooxygenase (COX). Die Cyclooxygenase stellt Botenstoffe (Prostaglandine und Thromboxane) her, die zentral für die Entstehung und Aufrechterhaltung einer Entzündungsreaktion sind. Insbesondere wirkt Paracetamol im zentralen Nervensystem direkt auf die Schmerzbahnen des Gehirns und lindert leichte bis mittelschwere Schmerzen. Zudem kann Paracetamol im Gehirn auch direkt über den Hypothalamus (zentrale Schaltstelle für den Temperaturhaushalt des menschlichen Körpers) eine fiebersenkende (antipyretische) Wirkung entfalten[2].

Alternativ wirkt Acetylsalicylsäure auch vornehmlich fiebersenkend und schmerzstillend in der gleichen Stärke wie Paracetamol durch Hemmung des Enzyms Cyclooxygenase[3]. Andere sogenannte nichtsteroidale Antiphlogistika wie Ibuprofen haben, wie Acetylsalicylsäure und auch Paracetamol, eher einen fiebersenkenden und global schmerzlindernden Wirkcharakter. Während Paracetamol in hohen Dosen eher die Leber belastet, ist Ibuprofen hochdosiert eher ein Wirkstoff, der die Nieren belastet[4].

Wirkungsweise bei Halsschmerzen

Paracetamol ist ein potenter Schmerzstiller. Jedoch reichert sich Paracetamol nicht in entzündetem Gewebe an. Das heißt, es strömt durch die Blutbahn und verteilt sich gleichmäßig im gesamten Organismus, sodass es örtlich unspezifisch Schmerz lindert. Zur Therapie von Halsschmerzen ist Paracetamol folglich nicht Medikament der ersten Wahl. Am ehesten kämen hier Alternativen wie Benzocain- oder Lidocain-haltige Lutschtabletten zum Einsatz, die lokal betäubend wirken (Lokalanästhetika)[5]. Darüber hinaus können alternativ zu Paracetamoltabletten auch Lutschtabletten mit ätherischen Ölen von Nelke, Anis, Fenchel oder Pfefferminze eingesetzt werden, da diese lokal kühlend und vor allem schmerzlindernd an Ort und Stelle wirken[6].

Anwendung & Dosierung bei Halsschmerzen

Zur globalen Schmerzlinderung (also Halsschmerzen indirekt inbegriffen) werden laut Beipackzettel maximal 15 mg Paracetamol pro Kilogramm Körpergewicht als Einmaldosis für Erwachsene empfohlen. Das heißt bei einem Körpergewicht von 70 kg sollte eine 1 g Tabletten (in der Regel zwei 500 mg Einzeltabletten) die Maximal-Einzeldosis darstellen. Bis zur nächsten Paracetamol-Einnahme sollten mindestens sechs Stunden vergehen. Pro Tag sollten nicht mehr als 60 mg Paracetamol pro Kilogramm Körpergewicht eingenommen werden. Das heißt für einen 70 kg schweren Erwachsenen sollten am Tag etwa 4 g Paracetamol die absolute Maximaldosis sein (mit jeweils mindestens sechs Stunden Pause zwischen den Einnahmen). Die Tabletten werden im Ganzen mit reichlich Wasser geschluckt. Ohne Rücksprache mit einem Arzt sollte Paracetamol nicht länger als drei Tage eingenommen werden. Für Kinder werden zumeist andere Applikationsformen, am ehesten Zäpfchen, gewählt. Bei Halsschmerzen sollte Paracetamol für Kinder nur in Ausnahmefällen Therapie der Wahl sein. Die Einnahme von Paracetamol für Kinder sollte unbedingt mit einem Kinderarzt abgesprochen werden und muss in jedem Fall gewissenhaft genau nach Alter und Gewicht des Kindes berechnet werden, um bleibende gesundheitliche Schäden zu vermeiden[7].

Diese Angaben sind eine pauschale Richtlinie, können jedoch keinesfalls die Dosierungsanweisungen eines Arztes ersetzen.

Nebenwirkungen & Wechselwirkungen

Nebenwirkungen sind bei korrekter Dosierung und ohne bestehende Vorerkrankungen wie Leberleiden nur sehr selten (weniger als 1 von 10 000 Behandelten, einschließlich Einzelfälle) beschrieben[8]. Wie bei prinzipiell allen Medikamenten kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen. Wird eine solche vermutet, sollte die Einnahme unverzüglich beendet und in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Wechselwirkungen können unter anderem mit Probenecid (bei Gicht), Phenobarbital (bei Schlafstörungen), Phenytoin (bei Epilepsie), Rifampicin (bei Tuberkulose) oder einigen antiviralen Medikamenten auftreten. Hierzu sollte individuell ein Arzt zu Rate gezogen werden[9].

Gegenanzeigen & Warnhinweise

Paracetamol wird in der Leber verstoffwechselt. Hier kann es potentiell auch den meisten Schaden, bei Überdosierung, anrichten (Gefahr der sogenannten Leberzellnekrose). Eine Einnahme von über 6 g Paracetamol kann für Erwachsene in einem tödlichen Leberschaden enden. Vergiftungszeichen sind Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen. Es steht ein Gegengift zur Verfügung (Acetylcystein, ACC). Paracetamol sollte nicht eingenommen werden bei vorbestehendem Nierenschaden, Leberschaden, Alkoholmissbrauch, Mangel an Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase (genetischer Defekt) sowie in Schwangerschaft und Stillzeit[10]. Bei allen Fragen rund um Anwendung, Sicherheit und Weiteres sollte generell ein Arzt konsultiert werden[11].


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen