Halsschmerzen: Klassische Arzneimittel

Halstabletten "Strepsils"

© PantherMedia / Dagmar Gissel

Das Wichtigste in Kürze

Hersteller: diverse (u.a. Almirall Hermal GmbH und Reckitt Benckiser)

Wirkstoffe: Amylmetacresol und Dichlorbenzylalkohol (Dobendan Strepsils) bzw. Cetylpyridiniumchlorid und Benzocain (Dobendan Strepsils Dolo) bzw. Flurbiprofen und Levomenthol (Strepsils Direkt Flurbiprofen)

Darreichungsform: Lutschtablette

Rezeptfrei?: Ja

Hilft bei: Halsschmerzen

Halsschmerzen sowie eine Rötung und Schwellung des Rachens im Rahmen einer Rachenentzündung (Pharyngitis) zählen zu den klassischen Symptomen eines Infektes der oberen Atemwege (ab Kehlkopf aufwärts). Meist treten diese Krankheitszeichen schon im Anfangsstadium einer Erkältung auf und können in ihrem Ausmaß von leichtem Kratzen bis zu stechendem Schmerz reichen. Zum Zweck der Symptomlinderung bei Rachenentzündungen stehen verschiedene Wirkstoffe, häufig auch in Form von Kombinationspräparaten, zur Verfügung. AlsStrepsils kann man in deutschen Apotheken und teils auch Supermärkten (Drogeriemärkten) Präparate mit verschiedenen Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen kaufen. Zu diesen Präparaten zählen „Dobendan Strepsils“ (Amylmetacresol und Dichlorbenzylalkohol), „Dobendan Strepsils Dolo“ (Cetylpyridiniumchlorid und Benzocain) oder „Strepsils Direkt Flurbiprofen“ (Flurbiprofen und Levomenthol). Alle Strepsils enthalten keine klassischen Antibiotika.

Medizinische Fakten

Halsschmerzen können Zeichen einer Infektion und Entzündung der Schleimhaut des Rachens sein; in der Mehrzahl der Fälle ausgelöst durch Viren oder seltener durch Bakterien (meistens Streptokokken)[1]. Klassische Antibiotika (Einzahl: Antibiotikum) sind exklusiv der Therapie mittels Abstrich nachgewiesener bakteriell bedingter Halsentzündungen vorbehalten und bedürfen gegebenenfalls einer Verschreibung durch einen Arzt. Halstabletten, die man ohne ärztliche Verschreibung in Supermärkten (Drogeriemärkten) oder Apotheken frei erwerben kann, enthalten zumeist keine klassischen Antibiotika, sondern wirken zum Teillokal desinfizierend (töten also unspezifisch Viren, Bakterien und auch Pilze ab) sowie symptomatisch durch Schmerzstillung und/ oder Entzündungshemmung.

Wirkungsweise bei Halsschmerzen

Strepsils Halstabletten werden langsam gelutscht und verteilen ihre aktiven keimtötenden (antiseptischen) bzw. entzündungshemmenden (antiinflammatorischen) Wirkstoffe somit über den Speichel im entzündeten Mund- und Rachenraum. [3] Amylmetacresol und Dichlorbenzylalkohol sowie Cetylpyridiniumchlorid sind chemische Verbindungen, die in der Art eines schleimhaut- und in geringen Dosen auch gut gesundheitsverträglichen Desinfektionsmittels Krankheitserreger auf der Rachenschleimhaut abtöten. Somit können sie dem Gesundungsprozess zuträglich sein. Zudem konnten Untersuchungen auch einen schmerzstillenden Charakter der Wirkstoffe Amylmetacresol und Dichlorbenzylalkohol zeigen. Die Schmerzstillung kann bis zu zwei Stunden nach Einnahme und teils darüber hinaus anhalten[2]. Der Wirkstoff Benzocain ist ein gebräuchliches Betäubungsmittel(Lokalanästhetikum), welches die Schmerzrezeptoren in der entzündeten Rachenschleimhaut blockiert[4]. Flurbiprofen gehört zur Klasse der nichtsteroidalen (= Cortison-freien) Antirheumatika (NSAR). Es wirkt entzündungshemmend wie sein verwandter Arzneiwirkstoff Ibuprofen durch die Hemmung der Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe (Prostaglandine)[5]. Folglich schwillt die gereizte Rachenschleimhaut ab und beruhigt sich. Levomenthol gehört zur Gruppe der Terpene und ist beispielsweise Hauptbestandteil von Pfefferminzöl. Levomenthol erzeugt lokal ein Kältegefühl und wirkt schmerzstillend sowie in geringem Maße lokal schleimlösend und –abfördernd (Expektorans)[6]. Ein weiterer wichtiger Wirkaspekt bei der Einnahme von Strepsils Halstabletten kann der vermehrte Speichelfluss beim bloßen Lutschen sein. Auch gegebenenfalls zugesetzte Zitronensäure regt den Speichelfluss an. Der menschliche Speichel enthält zahlreiche Stoffe wie z. B. Antikörper, die Krankheitserreger bekämpfen können. Alternativ zu Strepsils können prinzipiell auch andere Lutschtabletten, mit dem Ziel der vermehrten Speichelproduktion, eingenommen werden. Auch stehen weitere Antibiotika-freie Lutschtabletten wie Neo Angin oder Dorithricin mit sehr ähnlichen Wirkstoffkombinationen frei zur Verfügung.

Anwendung & Dosierung bei Halsschmerzen

Soweit nicht anders vom Arzt empfohlen, können Strepsils Lutschtabletten ohne Zusatz von Flurbiprofen gemäß dem Beipackzettel ab dem sechsten Lebensjahr alle vier Stunden bzw. ab dem zwölften Lebensjahr alle zwei bis drei Stunden einmal eingenommen werden[7]. Strepsils mit dem Wirkstoff Flurbiprofen sollten frühestens ab einem Alter von zwölf Lebensjahren einmal alle drei bis sechs Stunden eingenommen werden[8]. Die Tabletten sollten langsam im Mund komplett zergehen und nicht im Ganzen heruntergeschluckt werden. Eine Einnahme länger als zwei Tage ist nicht ohne ärztlichen Rat zu empfehlen[9].

Diese Angaben können keinesfalls die Dosieranweisungen eines Arztes ersetzen.

Nebenwirkungen & Wechselwirkungen

Flurbiprofen-haltige Strepsils können im Vergleich zu Flurbiprofen-freien Strepsils mehr mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen haben[10]. Sehr selten (Einzelfälle bzw. 1 von 10 000 Behandelten) können bei allen Strepsils mit den Wirkstoffen Amylmetacresol, Dichlorbenzylalkohol, Cetylpyridiniumchlorid und Benzocain Schleimhautirritationen oder sonstige Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten[11]. Prinzipiell kann es bei jeder Medikamenteneinnahme zu Arzneimittelreaktionen kommen. Sollte eine Arzneimittelreaktion auf Strepsils Halstabletten vermutet werden, ist es ratsam, die Medikamenteneinnahme sofort zu beenden und schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen.

Gegenanzeigen & Warnhinweise

Flurbiprofen-freie Strepsils sind für Kinder ab zwei Jahren zugelassen[12]. Flurbiprofen-haltige Strepsils sind für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen[13]. In der Schwangerschaft oder Stillzeit sollten Strepsils aufgrund fehlender Daten zu den Wirkstoffen nicht angewendet werden.

Alternativen

Lutschtabletten anderer Hersteller sind: Dorithricin® Lutschtabletten sowie Dobendan® Lutschtabletten.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen