Halsschmerzen: Klassische Arzneimittel

Mucoangin gegen Halsschmerzen

© PantherMedia / Alice Day

Das Wichtigste in Kürze

Hersteller: Boehringer Ingelheim GmbH

Wirkstoffe: Ambroxol

Darreichungsform: Lutschtablette

Rezeptfrei?: ja

Hilft bei: Halsschmerzen und Heiserkeit

Halsschmerzen gehören zu den Leitsymptomen eines Erkältungsinfektes der oberen Atemwege (ab Kehlkopf aufwärts, v.a. Mund-Nasen-Rachenraum). Halsschmerzen sind ein Symptom, keine eigenständige Erkrankung. Dem Symptom zugrunde liegt in der Regel eine Infektion der Atemwege mit bestimmten Viren oder, seltener, mit Bakterien. Zu den bakteriellen Ursachen für Halsschmerzen im Rahmen einer Rachenentzündung (Pharyngitis oder Angina tonsillaris) zählen insbesondere Streptokokken (A-Streptokokken). Diese sind beispielsweise ursächlich mit Antibiotika der Gruppe der Cephalosporine oder der Makrolide zu bekämpfen[1]. Häufiger als Bakterien kommen jedochViren als Auslöser von Rachenentzündungen in Frage. Virale Infektionen sind nur schwer ursächlich zu bekämpfen. Aus diesem Grund steht die symptomatische, also eine auf die Krankheitszeichen konzentrierte Therapie im Vordergrund.[2].

Medizinische Fakten

Mucoangin enthält den künstlich hergestellten, aber meist auch gut verträglichen Wirkstoff Ambroxol. In erster Linie wird Ambroxol bei Erkrankungen wie Bronchitiden (Mehrzahl von Bronchitis), oder auch Pseudokrupp (auch stenosierende Laryngotracheitis genannt, typische Erkrankung des Kindesalters) eingesetzt. Bei diesen Erkrankungen produziert das durch Krankheitserreger entzündete Gewebe der Atemwege zähen Schleim. Diesen kann Ambroxol bekämpfen. Der Wirkstoff Ambroxol hat jedoch darüber hinaus auch schmerzstillende (analgetische) Eigenschaften, die ihn für die Therapie von Halsschmerzen interessant machen[3].

Wirkungsweise bei Halsschmerzen

Ambroxol ist ein chemisch hergestellter Abkömmling (Derivat) von Bromhexin. Sowohl im Akutstadium als auch bei längerem, chronischem (langsam sich entwickelnd bzw. langsam verlaufend) [4]Verlauf von Atemwegserkrankungen, kann der Wirkstoff Ambroxol zum Einsatz kommen. Als Vertreter der sogenannten Expektoranzien kann er unnormal zähen Schleim in den Bronchien lösen(Mukolyse) und zugleich den Abtransport des gelockerten Schleimes fördern[5][6]. Ambroxol ist unter anderem folglich dazu gedacht, zähe Verschleimungen zu lösen. Darüber hinaus konnte für Ambroxol gezeigt werden, dass es lokal (verteilt über Speichel) bestimmte Schmerzrezeptoren in der Rachenschleimhaut (spannungsgesteuerte Na-Kanäle sensibler Neuronen)blockieren kann. Folglich klingt auch die Schmerzempfindung im Rachen ab[7]. Dieser Effekt ist in Laborversuchen (in vitro) sogar stärker ausgeprägt als für traditionelle Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) wie Lidocain[8].

Der tatsächliche, praktische Nutzen des Wirkstoffes Ambroxol ist jedoch unter Ärzten und Wissenschaftlern umstritten und durch Studien nicht einstimmig bewiesen[9].

In aller Regel klingen Erkältungssymptome wie Halsschmerzen bei unkomplizierten Krankheitsverläufen auch von selbst (ohne symptomatische Therapie) nach einigen Tagen wieder ab.

Alternativ zu Mucoangin Halstabletten gegen Halsschmerzen steht derzeit kein vergleichbares Präparat zur Verfügung. Jedoch gibt es eine Reihe anderer Arzneimittel, die lokal Schmerzen im Rachen bekämpfen können. Hierzu zählen beispielsweise Neo Angin, Lemocin, Strepsils oder Dorithricin Halstabletten mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden (antiinflammatorischen) Wirkstoffen.

Anwendung & Dosierung bei Husten

Gemäß Herstellerinformation können ab dem dreizehnten Lebensjahr täglich bis zu sechs Mucoangin Halstabletten gegen Halsschmerzen gelutscht werden. Die Tablette sollte langsam im Mund zergehen und nicht im Ganzen geschluckt werden. In der Regel setzt nach 20 Minuten eine Schmerzlinderung ein, die etwa drei Stunden anhalten kann[10].

Diese Angaben können keinesfalls die Dosieranweisungen eines Arztes ersetzen.

Nebenwirkungen & Wechselwirkungen

Der Wirkstoff Ambroxol ist potentiell ein allergieauslösender Stoff. Sollte eine prinzipiell mögliche Arzneimittelreaktion (Allergie) oder Überempfindlichkeitsreaktion vermutet werden oder sicher eingetreten sein, ist es ratsam, die Medikamenteneinnahme sofort zu beenden und schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen.

Bei Anwendung des Präparates Mucoangin, mit dem Wirkstoff Ambroxol, kann es häufig (1 bis 10 Behandelte von 100) zu Übelkeit (Nausea), Geschmacksstörungen oder einem Taubheitsgefühl des Mundraumeskommen. Gelegentlich (1 bis 10 Behandelte von 1.000) sind Durchfall (Diarrhoe),Mundtrockenheit und Bauchschmerzen beschrieben. Sehr selten (weniger als 1 Behandelter von 10.000) wurden schwerwiegende Hautreaktionen (u.a. Lyell-Syndrom) bei Einnahme von Ambroxol beschrieben. Überempfindlichkeitsreaktionen (Hautreaktion, Atemnot, Juckreiz) und Erbrechen traten mit unbekannter Häufigkeit als Nebenwirkung bei der Einnahme von Ambroxol auf[11].

Wechselwirkungen sind nur mit Hustenreizstillern (Antitussiva, s. Gegenanzeigen & Warnhinweise)[12] sowie bestimmten Antibiotika (individuell mit einem Arzt zu klären) beschrieben[13].

Gegenanzeigen & Warnhinweise

Mucoangin sollte nicht während der Schwangerschaft und in der Stillzeit eingenommen werden. Zudem sollten Mucoangin Halstabletten beiUnverträglichkeit des Zuckerstoffes Sorbitol gemieden werden. Kinder unter vollendeten zwölf Lebensjahren sollten Mucoangin nicht einnehmen (keine Zulassung).

Der Schleim verflüssigende Wirkstoff Ambroxol soll nicht zusammen mit Hustenreizstillern wie beispielsweise Codein eingenommen werden, da es in Kombination zu einem Schleimanstau in den tiefen Atemwegen (Gefahr der Lungenentzündung) kommen kann[14]. Mucoangin Halstabletten sind nicht fürdie Schmerzlinderung von Schleimhautschäden wie Aphten (kleine, meist rundliche, gelblich-weiße Wunden) oder Ulzerationen (Geschwüre) geeignet[15].

Bei ausbleibender Symptomverbesserung innerhalb von drei Tagen sowie bei Unsicherheit in der Anwendung von Mucoangin Halstabletten sollte prinzipiell immer individuell ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Alternativen

Ein alternativer Hustensaft, welcher ebenfalls Amboxol als Wirkstoff besitzt, wird von ratiopharm® angeboten (Ambroxol-ratiopharm® Hustensaft). Ein Hustensaft auf rein pflanzlicher Basis gibt es von Prospan®.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen