Halsschmerzen: Klassische Arzneimittel

Halstabletten mit Lidocain

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Das Wichtigste in Kürze

Hersteller: Lemocin® Novartis, Trachisan® Engelhard Arzneimittel u.a.Wirkstoff: LidocainDarreichungsform: LutschtabletteRezeptfrei: jaHilft gegen Halsschmerzen: umstritten

Lidocain ist ein lokal wirksames Schmerzmittel (Lokalanästhetikum), welches beispielsweise in verschiedenen Lutschtabletten enthaltenen ist und bei Halsschmerzen zur Symptomlinderung eingenommen werden kann.Die aktuellen ärztlichen Leitlinien raten jedoch von solchen Halstabletten ab und empfehlen bei Halsschmerzen arzneifreie Lutschtabletten beziehungsweise Lutschtabletten mit pflanzlichen Wirkstoffen sowie die Anwendung von diversen Hausmitteln.Grundsätzlich sollten Halsschmerzen, welche über 10 Tage anhalten in jedem Fall eine ärztliche Konsultation zur Folge haben.

Medizinische Fakten

Halsschmerzen sind ein sehr häufiges Symptom, welches meist im Rahmen einer Rachenentzündung (Pharyngitis) auftritt und in den meisten Fällen durch eine Infektion mit Rhino-oder Adenoviren verursacht ist. Klassischerweise treten bei einer solchen Rachenentzündung folgende Symptome auf:

  • Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden (Dysphagie)
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • ggf. Schmerzausstrahlung in die Ohren
  • ggf. vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation)
  • ggf. geschwollene Gaumenmandeln (Tonsillitis)
  • ggf. geschwollene, schmerzhafte Halslymphknoten (Lymphadenopathie)[1]

Die Beschwerden klingen in der Regel bei 40-50 % der Erkrankten nach drei Tagen ab. Nach einer Woche sind bis zu 80 % der Menschen mit Halsschmerzen beschwerdefrei. [2]Eine Linderung der Schmerzen kann durch verschiedene Schmerzmittel erzielt werden. Dabei werden lokal wirksame Schmerzmittel (Lokalanästhetika) von systemisch, also im ganzen Körper wirkende Schmerzmittel (Analgetika) unterschieden. Der Wirkstoff Lidocain wird zur ersten Gruppe gezählt und entfaltet seine schmerzlindernde Wirkung durch eine Hemmung der Schmerzreizweiterleitung an den Nerven (Neuronen). [3]

In den aktuellen ärztlichen Leitlinien zur Behandlung von Halsschmerzen wird ausdrücklich von Halstabletten mit lokalanästhetischer Wirkung abgeraten. Grund hierfür sind häufige Nebenwirkungen, wieallergische Reaktionen.Grundsätzlich beinhalten solche Halstabletten noch weitere Wirkstoffe, vor denen Experten ebenfalls warnen.Hierzu gehören zum Beispiel antibakterielle Wirkstoffe, die in den Lutschtabletten enthalten sein können, welche bei den viral bedingten Infektionen keinen therapeutischen Effekt aufweisen. Ganz im Gegenteil entwickeln sich durch die zusätzlichen antibiotischen (gegen Bakterien wirksame Arznei) Inhaltsstoffe wie Thyrotricin eher gegen Antibiotika resistente Bakterien, welche sehr schwer zu therapieren sind.Darüber hinaus werden keimtötende (antiseptische) Wirkstoffe in solchen Lutschtabletten kritisiert. Zu diesen Wirkstoffen zählt beispielsweise Chlorhexedin, welches den krankheitsauslösenden Erreger abtöten soll. Hierbei weisen Experten darauf hin, dass sich die durch den Erreger ausgelöste Infektion jedoch in tieferen Schichten der Rachenschleimhaut befindet, wo der Wirkstoff durch Lutschen der Tablette nicht hingelangt und somit unwirksam ist.

Aus diesem Grund wird zur Linderung der Beschwerden bei Halsschmerzen auf folgende Therapieoptionen hingewiesen:

  • viel trinken
  • körperliche Schonung
  • Befeuchtung der Umgebungsluft
  • Noxen vermeiden (Rauchen)
  • Halswickel
  • Lutschen nicht-medizinischer Bonbons
  • Gurgeln mit Tee oder Salzwasserlösung [2]

Wirkungsweise bei Halsschmerzen

Der Wirkstoff Lidocain hat einen schmerzlindernden Effekt auf die entzündete Rachenschleimhaut.

Je nach Dosierung tritt eine schmerzlindernde bis hin zu einer betäubenden Wirkung auf. Grund hierfür ist der anatomische Aufbau der Nervenfasern, an denen der Wirkstoff seine Wirkung entfaltet. Nervenfasern, welche Schmerzreize leiten, besitzen eine sehr dünne Schutzschicht aus dem sogenannten Myelin, einer fetthaltigen Substanz. Je dünner die Schicht ist, desto weniger Wirkstoff wird benötigt. Bei Nervenfasern mit einer dickeren Myelinschicht kann Lidocain in geringen Dosen deshalb kaum wirken. Solche dick ummantelten Nervenfasern leiten vor allem Berührungsreize weiter. Aus diesem Grund kann bei richtiger Dosierung eine Schmerzlinderung bei erhaltenem Berührungsempfinden (keine Betäubung) erreicht werden.

Hierbei wird die Reizweiterleitung des Schmerzes oder gegebenenfalls der Berührung durch Lidocain unterbrochen.Normalerweise wird die Reizinformation in einer Nervenfaser vom Organ, in diesem Falle der Schleimhaut des Rachens, zum Gehirn weitergeleitet, um dort verarbeitet und wahrgenommen zu werden. Die Nervenfaser fungiert dabei, wie ein Stromkabel zur Weiterleitung der Information. Dabei werden immer wieder kleine Abschnitte der Faser in Richtung Gehirn aktiviert, um anschließend wieder in einen langandauernden, inaktiven Zustand zurückzukehren. So wird gewährleistet, dass die Weiterleitung der Information in nur eine Richtung verlaufen kann. Die Aktivierung wird dabei über einen Einstrom von Natrium-Ionen in den Nervenzellabschnitt gesteuert. Genau hier setzt die Wirkung von Lidocain an, welches jenen Einstrom durch Blockierung der Natrium-Ionenkanäle verhindert, so dass die Weiterleitung des Schmerzreizes zum Stillstand kommt. [3]

Anwendung und Dosierung bei Halsschmerzen

Je nach Hersteller und Wirkstoffzusammensetzung variiert die Empfehlung zur Anwendung und Dosierung von Halstabletten mit Lidocain als Wirkstoff.

Prinzipiell sollten alle Halstabletten langsam gelutscht werden, um eine möglichst gute Wirksamkeit gewährleisten zu können. Ein Zerkauen oder Schlucken der Tablette, schwächt die Wirkung ab.

Lemocin®

Die Lutschtabletten können ein- bis achtmal täglich angewandt werden.Der Hersteller empfiehlt die Anwendung bei Erwachsenen und Kindern ab 3 Jahren. [4]Jedoch weisen die aktuellen ärztlichen Leitlinien auf vermehrte Nebenwirkungen bei der Einnahme von Lidocain bei Kindern hin.[2]

Trachisan®

Die Lutschtabletten sind ausschließlich für Erwachsene geeignet und können bis zu sechsmal täglich eingenommen werden. [5]

Diese Angaben ersetzen in keinem Fall die Dosierungsanweisungen eines Arztes.

In einem Verbrauchertest schnitt Trachisan® als einzige Lutschtablette mit befriedigender Wirkung ab, wohingegen alle anderen Präparate mangelhafte Ergebnisse erzielten. [6]

An dieser Stelle soll auf das alternative Präparat Ambroxol® als Lutschtablette hingewiesen werden. Der Wirkstoff Ambroxol besitzt nicht nur eine schon seit langer Zeit bekannte schleimlösende Wirkung, sondern verfügt auch über lokalanästhetische Eigenschaften und wirkt daher gut gegen Halsschmerzen. Für dieses Präparat wurden zwei aussagekräftige Studien durchgeführt, in welchen die Wirksamkeit der Halstablette bestätigt werden konnte. Aus diesem Grund wird der Wirkstoff Ambroxol in Lutschtabletten als einzige Halstablette von Experten in den aktuellen ärztlichen Leitlinienempfohlen. [2]

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Eine typische Nebenwirkung bei Halstabletten mit Lidocain als Wirkstoff ist ein Taubheitsgefühl der Zunge. In diesem Zusammenhang kann es zu Schluckstörungen kommen, die zu einem Verschlucken von Flüssigkeit oder Nahrung (Aspiration) führen können.

Darüber hinaus kann es zum Auftreten von allergischen Reaktionen kommen, die in einer Atemnot resultieren können.

Alternativen

Eine Alternative stellen Dobendan Strepsils® bzw. Dolo-Dobendan® Lutsch­tabletten dar.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen