Halsschmerzen: Ursachen

Einseitige Halsschmerzen - Krebs?

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Einseitige Halsschmerzen können mehrere Ursachen haben, wobei häufig ein Abszess nach einer Entzündung der Mandeln, ein sogenannter Peritonsillarabszess, der Auslöser ist. Da auch eine Krebserkrankung solche Beschwerden hervorrufen kann, ist eine fachärztliche Abklärung bei einseitigen Halsschmerzen angezeigt.

Medizinische Fakten

Bei einer gewöhnlichen Entzündung des Mund- und Rachenraumes treten Beschwerden wie Halsschmerzen in der Regel beidseitig auf. Einseitige Halsschmerzen sind seltener und meist Ausdruck einer Komplikation, wie beispielsweise eines Peritonsillarabszesses nach einer Entzündung der Mandeln oder des Rachens.[1] Symptome eines Abszesses sind neben starken einseitigen Schluckbeschwerden gerötete und geschwollene Mandeln, eine Verschiebung des Gaumenzäpfchens mit einer Vorwölbung des vorderen Gaumensegels sowie Schwierigkeiten und Schmerzen beim Öffnen des Mundes.[2] Auch kloßige Sprache, Stiche in der Ohrgegend und Fieber sind möglich.[3]

Auch ein Tumor im Halsbereich oder der Schilddrüse kann einseitige Halsschmerzen verursachen. Vor allem der schleichende Beginn und das Fehlen einer rezenten, akuten Erkrankung können einen Hinweis auf eine Krebserkrankung geben. Begleitsymptome können Atemnot, blutiger Auswurf und Heiserkeit sowie eine allgemeine Abgeschlagenheit sein. Viele Tumore des Mund- und Rachenraumes werden durch Zigarettenrauchen mitverursacht, weshalb ein langjähriger Raucherstatus ebenfalls ein Risikofaktor für das Auftreten von Krebs ist.

Weitere seltene Ursachen von einseitige Halsschmerzen sind eine gutartige Vergrößerung der Lymphknoten oder der Gaumenmandeln.

Wirkungsweise (Biologischer Zusammenhang)

Im Rahmen einer Entzündung der Mandeln (sog. Tonsillitis) läuft eine Vielzahl von Immunprozessen ab, um die krankheitsauslösenden Erreger zu eliminieren. Durch die Entzündung wandern spezielle Abwehrzellen, die Leukozyten, aus dem umliegenden Gewebe und dem Blut in Mandeln ein, die Bakterien oder Viren unschädlich machen sollen. Im Zuge der Erregerabwehr werden die Leukozyten „eingeschmolzen“ und es entsteht Eiter. Kann sich die Entzündung dem Zugriff des Immunsystems entziehen, entsteht ein abgekapselter Abszess, bei dem sich der eitrige Inhalt nicht entleeren kann. Je nach seiner Lokalisation kann ein Peritonsillarabszess so einseitige Halsschmerzen verursachen.

Auch eine Krebserkrankung kann Halsschmerzen auslösen: Ein Tumor besteht aus entarteten Zellen, die keiner Wachstumsregulation und Kontrolle des Körpers mehr unterliegen. Auch ihre ursprüngliche Form haben diese mutierten Zellen verloren, was in einem ungehemmten, diffusen Wachstum resultiert. Krebszellen können Barrieren wie Schleimhäute durchbrechen und so in andere Gewebe einwachsen. Durch diese Infiltration und durch wachstumsbedingte Verdrängung anderer Strukturen kann eine Krebserkrankung Halsschmerzen verursachen.

Behandlung

Da einseitige Halsschmerzen viele verschiedene Auslöser haben können, ist eine Selbstdiagnose kaum möglich. Deshalb sollte bei entsprechender Symptomatik ein Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten konsultiert werden. Je nach Ursache der Beschwerden erfolgt dann eine entsprechende Behandlung.

Bei Verdacht auf einen Peritonsillarabszess soll die Vorstellung beim HNO-Arzt umgehend erfolgen, da durch eine rasche Behandlung das Komplikationsrisiko minimiert werden kann. Die Therapie beinhaltet neben der Spaltung und Entleerung des Abszesses eine antibiotische Behandlung mit Penicillinen (bzw. Clindamycin bei Penicillinallergie). Optional kann auch die Entfernung der Mandeln (sog. Tonsillektomie) durchgeführt werden, um das Wiederauftreten eines Abszesses zu verhindern.[4]

Wird hingegen der Verdacht einer Krebserkrankung bestätigt, muss ein komplexes Therapieschema entworfen werden: Je nach Art, Größe, Stadium und Ausbreitung des Tumors kommen eine chirurgische Entfernung, eine Strahlentherapie sowie eine medikamentöse Chemotherapie in Frage. Im Rahmen der modernen Krebstherapie wird meist eine Kombination dieser Behandlungsmethoden verwendet, wobei eine komplette Entfernung des Krebses durch einen Chirurgen die höchsten Heilungsraten aufweist.

Zu beachten

Im Rahmen eines Peritonsillarabszesses kann sich durch eine Absenkung und Ausbreitung des Abszesses bis in den Mittelfellraum, das sogenannte Mediastinum, eine Entzündung entwickeln, die akut lebensbedrohlich ist.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen