Halsschmerzen: Ursachen

Halsschmerzen – HIV als Ursache?

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Halsschmerzen können viele Auslöser haben, meist liegt den Beschwerden ein banaler viraler Infekt zugrunde. Auch HIV kann eine solche Symptomatik hervorrufen, allerdings kann eine Diagnose nicht allein durch das Auftreten von Halsschmerzen gestellt werden, sondern bedarf einer Reihe weiterer Befunde. Steht der Verdacht einer HIV-Infektion im Raum, sollte die Abklärung bei einem Arzt oder im Krankenhaus erfolgen.

Medizinische Fakten

Bei einer HIV Infektion wird die Funktion des Immunsystems massiv beeinträchtigt, was zu einer Fülle an Symptomen führen kann. Vor allem bei einer Erstinfektion kommt es bei rund zwei Dritteln der Patienten nach 5- 30 Tagen zu grippeähnlichen Beschwerden, die sehr unspezifisch sind. Dazu zählen Fieber, Halsschmerzen, Lymphknotenschwellung, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Übelkeit. Hinweise für eine HIV- Infektion können ein „lachsfarbener“ Hautausschlag, Magen- Darm- Beschwerden und die langsame Rückbildung der Symptome über Wochen sein.[1] Bei Kindern und Jugendlichen kann diese grippeähnliche Erstmanifestation dagegen völlig fehlen, sie reagieren oft mit Hautausschlägen, Entzündungen der Ohrspeicheldrüse (sog. Parotitis) und einer Vergrößerung von Leber und Milz.[2] Auch in den späteren Stadien einer HIV-Infektion können Halsschmerzen auftreten, allerdings sind diese dann gekennzeichnet durch Infektionen mit sog. opportunistischen Erregern – Keime, die normalerweise für Immunkompetente nicht schädlich sind oder sogar zur bakteriellen Flora des Menschen zählen. Weißliche Beläge auf Zunge und Rachen deuten auf solche Infektionen hin.[3]

In den weitaus meisten Fällen sind jedoch banale virale Infekte für Halsschmerzen und grippeähnliche Symptome vorhanden. Hierbei klingen die Symptome nach wenigen Tagen von selbst ab. Seltener können auch Bakterien eine schmerzhafte Entzündung hervorrufen, die jedoch mittels Antibiotika gut therapiert werden kann.

Wirkungsweise (Biologischer Zusammenhang)

Das HI- Virus ist ein erstmals 1981 beschriebenes Virus, das menschliche Immunzellen befällt und dadurch zu einer Immunschwäche führt. Nach der Erstinfektion (Klinisches Stadium A) folgt eine mehrere Jahre dauernde Latenzphase, in der die Infizierten weitgehend asymptomatisch sind. Unbehandelt kommt es aber mit Fortschreiten des Immundefekts bei der Mehrzahl der Patienten schließlich zur Entwicklung des klinischen Stadium B, das durch häufige Infekte, Pilzinfektionen des Mund- und Genitalbereichs, Fieber, Nachtschweiß, Durchfall und ungewollten Gewichtsverlust gekennzeichnet ist.[4] Das schwere Krankheitsbild des Stadium C beinhaltet schließlich die „AIDS-definierenden Erkrankungen“, beispielsweise opportunistische Infektionen mit für Immungesunden ungefährlichen Viren, Bakterien und Pilzen oder das Auftreten von ungewöhnlichen malignen Tumoren. Diese Tumore werden wiederum durch Viren verursacht, die von einem gesunden Immunsystem problemlos in Schach gehalten werden können.

Das HI-Virus ist aus zwei Gründen äußerst gefährlich: Erstens besitzt es im Gegensatz zu den meisten anderen Viren keinen Kontrollmechanismus bei seiner Replikation, was bedeutet, dass bei jeder Kopie seines Erbmaterials zahlreiche „Fehler“ (sog. Mutationen) passieren. Dadurch entstehen ständig neue Varianten, die die Kontrolle des Virus erschwert.

[+] [+] [+] Zweitens befällt das Virus eine Subgruppe von Immunzellen, die sogenannten CD4- Lymphozyten, die ihrerseits eine wichtige Rolle in der Abwehr von Viren und Bakterien spielen. HIV nutzt diese Lymphozyten zur Vervielfachung und hinterlässt die Zellen funktionsunfähig. Weiterhin werden infizierte Zellen vom Körper erkannt und bekämpft, was wiederum in einer Schwächung seiner eigenen Immunabwehr führt. Dadurch sinkt die Zahl der CD4- Zellen im Verlauf der Erkrankung (während die Viruslast ansteigt), was zu den typischen Symptomen der Immunschwäche führt. Da CD4- Lymphozyten vor allem für die Abwehr von überall vorkommenden, wenig krankheitserregenden Keimen verantwortlich sind, kommt es zu schweren Infektionen mit Erregern wie dem Herpes simplex Virus (HSV), dem Cytomegalievirus (CMV), atypischen Mykobakterien oder Candida- Pilzen.

[+] Die HIV Erkrankung wird anhand der Klinik (klinische Kriterien A, B und C) und anhand der Anzahl der CD4-Zellen (Laborkriterien 1,2 und 3) in 9 Stadien von A1 bis C3 unterteilt, wobei C3 die schwerste Form der Erkrankung repräsentiert.

Behandlung

Beim Auftreten von Halsschmerzen handelt es sich in den meisten Fällen um einen banalen viralen Infekt, der keiner spezifischen Therapie bedarf und in der Regel nach einigen Tagen selbstlimitierend ist. Unterstützend können heiße Getränke, Lutschtabletten und körperliche Schonung schmerzlindernd wirken.

[+] Eine HIV-Erkrankung hingegen bedarf einer intensiven Therapie. Heute wird weltweit ein standardisiertes Behandlungsschema, die „hochaktive antiretrovirale Therapie“ (highly active anti retroviral therapy – HAART) verwendet, die ein Kombinationsverfahren aus 3 Substanzen darstellt. Dadurch soll die Replikation gestoppt, die Viruslast gesenkt und die Zahl der CD4- Lymphozyten wieder gesteigert werden. Die HAART ist eine lebenslange Therapie und muss konsequent durchgeführt werden, um eine hohe Ansprechrate von über 80% zu erzielen. Durch die Einführung dieser Behandlung konnte die Prognose jedoch wesentlich verbessert werden, unter der HAART-Therapie bleibt die Funktionsfähigkeit des Immunsystems auch nach Jahren stabil, wodurch die Sterblichkeit deutlich gesenkt werden konnte.

Zu beachten

In der überwiegenden Zahl der Fälle verursacht eine banale Virusinfektion Halsschmerzen und grippeähnliche Symptome.

Bei Verdacht auf eine HIV Infektion sollte schnellstmöglich ein Arzt konsultiert werden, da sich bei einer HIV-Erkrankung ein intaktes Immunsystem mit den modernen Therapieverfahren erhalten lässt und der Ausbruch von AIDS verhindert werden kann.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen