Halsschmerzen: Ursachen

Halsschmerzen (nach Erbrechen)

© PantherMedia / Piotr Marcinski

Halsschmerzen können durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden. Zwar stehen in der Regel meist grippale Infekte als Verursacher im Vordergrund, dennoch kann auch gehäuftes Erbrechen im Rahmen einer Essstörung Auslöser der Beschwerden sein. Im Folgenden soll darauf eingegangen werden, ab wann bei Halsschmerzen auch an ein gestörtes Essverhalten bzw. eine psychische Essstörung als mögliche Beschwerdeursache gedacht werden sollte. [1]

Medizinische Fakten:

Halsschmerzen sind ein häufiges Symptom bei verschiedensten Erkrankungen. Neben Schleimhautirritationen im Rachenbereich oder Entzündungsreaktionen der Rachenschleimhaut durch bakterielle und virale Erreger (Pharyngitis), kann auch wiederkehrendes Erbrechen zu Schmerzen im Hals und zu Heiserkeit führen.

Stellt man Halsschmerzen und gehäuftes Erbrechen fest, oder erfährt man im Familien- oder Bekanntenkreis von dieser Symptomkonstellation, sollte unbedingt an eine Essstörung gedacht werden. Hierbei stehen zwei wichtige Krankheitsbilder im Vordergrund, bei denen Erbrechen häufig zum Krankheitsbild dazu gehört: Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) und Magersucht (Anorexia nervosa). Für das Krankheitsverständnis ist es wesentlich, zu erkennen, dass bei beiden Erkrankungen eine sehr große Angst besteht, an Gewicht zuzunehmen.

Während magersüchtige Patienten in der Regel schon durch ihr klassisches Untergewicht bzw. einen reduzierten Ernährungszustand auffallen, erscheinen an Bulimie erkrankte Menschen zunächst unauffällig, sind meist sogar normalgewichtig. Dem sozialen Umfeld bleibt die Essstörung daher teils jahrelang verborgen. Typisch für Bulimia nervosa sind die immer wiederkehrenden Heißhungerattacken mit Kontrollverlust und anschließendem Kompensationsverhalten. Dieses Verhalten besteht sehr häufig im Erbrechen der kurz zuvor aufgenommenen Nahrung.

Eine mögliche Folge des Erbrechens sind Halsschmerzen. Die Schleimhaut im oberen Verdauungstrakt ist histologisch anders aufgebaut als die im Magen. Aufsteigende Magensäure (pH-Wert zwischen 1-3) führt hier zur Schädigung der Speiseröhre, des Nasen-Rachen-Raums, der Speicheldrüsen und der Zähne. Die Folge der ständigen Säureexposition ist eine schmerzhafte Entzündungsreaktion. In schweren Fällen sind Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen oder ernsthafte Magenschädigungen möglich.

Das gestörte Essverhalten ist den Betroffenen meist bewusst und wird gezielt versucht zu verheimlichen. [2] Schuldgefühle und Verzweiflung sind häufig, depressive Episoden oftmals Begleiter der Erkrankung. 

Biologischer Zusammenhang:

Die Belegzellen der Magenschleimhaut bilden Protonen, die sich im Magenlumen mit Chlorid-Ionen zu Wasserstoffchlorid (Salzsäure) zusammenlagern. Die Salzsäure im Magen ist für den niedrigen pH-Wert verantwortlich. Dieser ist einerseits für die Nahrungsverdauung notwendig, andererseits schützt das saure Magenmilieu vor eindringenden Krankheitserregern. Um einer Schädigung und Verätzungen durch den aggressiven Magensaft vorzubeugen, wird in der Schleimhaut von sogenannten Nebenzellen Magenschleim (Muzin) produziert, der den direkten Kontakt von Magensäure und Schleimhaut unterbindet. Dieser Schutzmechanismus fehlt der Schleimhaut im Rachen. Kommt es nun zu häufigem, wiederholtem Erbrechen, wird die Rachenschleimhaut gereizt, längerfristig geschädigt. Die Folgen sind eine Entzündungsreaktion, die Freisetzung von zellulären Botenstoffen (Zytokinen) und Entzündungsmediatoren und somit eine Stimulierung von empfindlichen Nervenzellen in der Schleimhaut. Die Folge ist eine Entzündungsreaktion mit einhergehendem Halsschmerz. [3]

Zu beachten:

Bulimia nervosa ist eine relativ häufige und ernste Erkrankung. Frauen sind öfter als Männer betroffen. Der Erkrankungsbeginn dieser Essstörung liegt in der Regel in der Adoleszenz oder im jungen Erwachsenenalter. Da Betroffene meist nicht in der Lage sind Hilfe zu suchen, kommt dem sozialen Umfeld eine wichtige Verantwortung bei der Entdeckung und Benennung von Problemen zu. Um mögliche, eventuell sogar lebensgefährliche Komplikationen vorzubeugen, sollte bei begründetem Verdacht gezielt nach möglichen Essanfällen oder absichtlichem Erbrechen gefragt, im Zweifelsfall ärztliche Unterstützung angenommen werden. Eine Therapie ist oft schwierig und langwierig. Da Bulimie aber eine Reihe schwerwiegender oder gar lebensbedrohlicher Komplikationen nach sich ziehen kann, ist eine therapeutische Intervention und professionelle Betreuung unbedingt notwendig. [2]


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen