Halsschmerzen: Ursachen

Halsschmerzen (wegen Zahnschmerzen)

© PantherMedia / Luca Santilli

Halsschmerzen können sowohl durch virale und bakterielle Infektionen des Respirationstraktes als auch durch dentogene Erkrankungen verursacht werden. Zu den möglichen dentogenen Ursachen zählen die Gingivitis (Zahnfleischentzündung), die Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates), Karies und Weisheitszahnerkrankungen. Im Folgenden soll über die medizinischen und biologischen Fakten, Behandlungsmöglichkeiten und Tipps bei dentogen bedingten Halsschmerzen aufgeklärt werden.

Medizinische Fakten

Halsschmerzen gehören nicht unbedingt zu den typischen Symptomen einer dentogenen Erkrankung. Viel häufiger treten bei diesen Erkrankungen Kauschmerzen (Druckschmerz), Kälte- und Hitzeempfindlichkeit, Schwellungen und Mundgeruch auf. Da dentogene Erkrankungen jedoch häufig bakteriell bedingt sind, kann es im Zuge der Infektion zur Ausbreitung der Entzündung bis in den Rachen kommen und dadurch Halsschmerzen auslösen.

Bei der Gingivitis handelt es sich um eine Entzündung des Zahnfleisches, die durch Plaque (Zahnbelag), Bakterien, Viren oder Medikamente verursacht werden kann. Plaque ist der gängige Ausdruck für die physiologische Bakterienbesiedelung der Zahnoberflächen, die im Rahmen von Immunsuppression, Schwangerschaft, Diabetes oder geringer Speichelproduktion eine Entzündung hervorrufen kann und die häufigste Ursache für die Entstehung einer Gingivitis ist. Zu den Symptomen einer akuten Gingivitis zählen geschwollenes, gerötetes und leicht blutendes Zahnfleisch. Im chronischen Verlauf können außerdem Zahnschmerzen, Mundgeruch oder Halslymphknotenschwellungen auftreten. Die Entzündung kann auf andere lokale Strukturen übergreifen und eine Mundschleimhautentzündung (Stomatitis) oder Entzündung des Rachens (Pharyngitis) auslösen, wodurch es zu Halsschmerzen kommt.

Parodontitis ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates und gehört nach Karies zu den häufigsten Mundhöhlenerkrankungen. Eine Parodontitis kann entweder als Folge einer Gingivitis (= marginale Parodontitis) oder durch eine vorrausgehende Pulpitis (Entzündung des Weichgewebekerns des Zahns) entstehen (= apikale Parodontitis). Bei der apikalen Parodontitis entwickelt sich das Entzündungsgeschehen periapikal (um die Zahnwurzel herum). In den meisten Fällen verläuft eine Parodontitis chronisch und schubweise über mehrere Jahre hinweg und wird aufgrund fehlender Schmerzhaftigkeit erst spät entdeckt. Unbehandelt kann es zum Zahnverlust kommen. Das Leitsymptom der Parodontitis ist das Zurückweichen des Zahnfleisches im Wurzelbereich. Es zeigen sich zudem häufig Symptome einer Gingivitis.

Karies gilt als eine der häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten weltweit und führt zur fortschreitenden Zerstörung der Zahnhartsubstanzen (Zahnschmelz, Zahnbein). Die häufigsten Auslöser sind Bakterien wie Streptococcus mutans oder Lactobazillen. Diese Bakterien produzieren beim Abbau von in der Mundhöhle vorhandenen Zuckern Säure, die die Zähne angreift und langsam abbaut. Karies äußert sich durch Braunfärbung der Zähne, Schmerzempfindlichkeit im Kontakt mit süßen, heißen und kalten Substanzen und durch Kavitationen (Löcher im Zahn). Kariöse Erkrankungen können zur Entstehung einer Gingivitis, Parodontitis, Pulpitis oder zu lokaler Abszessbildung beitragen. Selten können sich Karies verursachende Bakterien in den Rachen ausbreiten und Halsschmerzen auslösen.[1]

Biologischer Zusammenhang

In die Mundhöhle eingedrungene Bakterien können durch verschiedene Mechanismen zu dentogenen Erkrankungen führen. Im Zentrum steht die Bildung von Plaque, der aus abgestorbenen Zellen, Speichel und Bakterien besteht. Plaque bildet sich nach der Nahrungsaufnahme, kann aber durch Zähneputzen entfernt werden.

Die im Plaque enthaltenen Bakterien metabolisieren über die Nahrung aufgenommene Zucker zu schädlichen Substanzen wie Säure, Toxinen und verschiedenen Enzymen.

Säure greift die Hartsubstanzen des Zahnes an und führt dadurch zur Entstehung von Karies. Normalerweise ist Speichel in der Lage, diese Säuren zu neutralisieren. Wird jedoch zu viel Zucker aufgenommen, gelingt es dem Speichel nicht, die Säure unschädlich zu machen. Da die Speichelproduktion nachts deutlich geringer ausfällt, ist insbesondere am Abend der Zuckerkonsum riskant. Ohne Behandlung führt Karies zum vollständigen Abbau der Zähne.

Für die Entstehung einer Gingivitis und Parodontitis sind Toxine und Enzyme verantwortlich. Diese lösen Entzündungsreaktionen mit Schwellungen, Rötung und Schmerzen im Zahnfleisch aus. Außerdem bewirken sie ein Loslösen des Zahnfleisches vom Zahn, wodurch sogenannte „Zahnfleischtaschen“ entstehen, in die sich Plaque einlagern kann. Dieser Vorgang kann im Verlust der Zähne resultieren.

Im Verlauf kann es zur Ausbreitung der Bakterien und des Entzündungsprozesses in die Rachenschleimhaut kommen. Die Folge sind Halsschmerzen.[2]

Zu beachten

Bezüglich der Entstehung von Karies ist wichtig zu beachten, dass die auslösenden Bakterien durch Tröpfcheninfektion übertragen werden können. Aus diesem Grund ist es nicht ratsam, die Schnuller oder Trinkflaschen von Kleinkindern mit dem Speichel der Eltern zu reinigen, da die Erreger somit auf die Kinder übertragen werden.

Weiterhin sollte die Gabe von gezuckerten Getränken vor dem Schlafengehen absolut vermieden werden.

Allgemein sind dentogene Erkrankungen durch präventive Maßnahmen (Mundhygiene, kein Alkohol- oder Nikotinkonsum, richtige Ernährung etc.) sehr gut vermeidbar.[1]


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen