Halsschmerzen: Ursachen

Halsschmerzen (beim Gähnen)

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Entsteht bei Gähnen ein Schmerz im Halsbereich, liegt die Ursache mit großer Wahrscheinlichkeit in der hinteren Mund- und Rachenregion. Häufig sind schon bei geschlossenem Mund Druckgefühl oder Schmerzen zu fühlen. Gründe dafür können Entzündungen oder Veränderungen der Schleimhaut oder des Ohres sein. Durch die weite Mundöffnung beim Gähnen wird die Schleimhaut gedehnt und dadurch gereizt. Dies kann den Schmerz auslösen, oder verstärken.

Medizinische Fakten

Gähnen:

Beim Gähnen wird der Mund sehr weit geöffnet und es erfolgt, ein mehr oder weniger unwillkürliches, tiefes Einatmen.[1] Weite Teile der Muskulatur des Unterkiefers und des Rachens kontrahieren sich dabei. Mit einer Kontraktion wird das Zusammenziehen eines Muskels beschrieben.

Der Muskel, welcher das Gaumensegel spannt, öffnet gleichzeitig die Eustachische Röhre. Das Ohr ist über die Eustachische Röhre (Tuba auditiva) mit dem Rachen verbunden. Normalerweise ist die „Röhre“ verschlossen. Durch Muskelkontraktionen im Rachen, zum Beispiel beim Gähnen, wird sie geöffnet. Dadurch schafft die Tuba auditiva bei unterschiedlichen Druckverhältnissen eine Verbindung zwischen Rachenraum und Mittelohr. Sie bewirkt damit einen Druckausgleich.[2]

Schmerzreiz:

Schmerzreize werden durch freie Nervenendigungen registriert. Sie vermitteln mechanische, thermische und Schmerzempfindungen.[3]

Die Schwelle zum Auslösen von Schmerzempfinden ist durch Vorstimulation mit mechanischen Reizen (Schwellung) und thermischen Reizen (Erwärmung) nicht mehr so hoch. Schmerz wird daher in entzündetem Gewebe schneller gefühlt.

  • Potentielle Ursachen der Halsschmerzen beim Gähnen: 

Gaumenmandelentzündung (Angina tonsillaris): Ursächlich für Halsschmerzen sind sehr häufig die Gaumenmandeln. Diese werden auch als Tonsillen bezeichnet. In der medizinischen Fachsprache heißen sie Tonsillae palatinae. Die Tonsillen sind ein Teil des Immunsystems. Anatomisch liegen sie im hinteren Mundraum in der Falte zwischen den beiden Gaumenbögen.[4]

Bei einer Gaumenmandelentzündung stehen Schluckbeschwerden und Schmerzen im Vordergrund. Bei starker Mundöffnung, zum Beispiel beim Gähnen, nehmen diese deutlich zu. Sie können in das Ohr der stärker betroffenen Seite ausstrahlen. Die Tonsillen zeigen anfangs nur eine Rötung und Schwellung. Im weiteren Verlauf kommen weiße Beläge als Stippchen und Pfröpfe hinzu. Der Gaumen schwillt an. Die Halslymphknoten werden druckschmerzhaft.
Der Allgemeinzustand kann sehr eingeschränkt sein. Es besteht Fieber mitKopfschmerzen. Das Schlucken kann behindert sein, die Sprache wird kloßig.
Eine zum Larynxeingang absteigende Schleimhautschwellung kann Atemnotzustände zur Folge haben.[5][6]

Die Erreger der Angina sind meist beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, daneben aber auch Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Staphylokokken und andere.
Ein reduzierter Allgemeinzustand und Minderung der Abwehrkräfte, z. B. bei Immunschwäche, fördern die Entstehung einer Angina tonsillaris.[7]

  • Weitere mögliche Ursachen:

Rachenentzündung (Akute Pharyngitis): Bei einer akuten Pharyngitis ist die gesamte Schleimhaut des Rachens gerötet und trocken. Der Patient klagt über „Kratzen im Hals“ und berichtet über Fieber, reduzierten Allgemeinzustand und schmerzhaft geschwollene Lymphknoten. Sie ist meistens viral und weniger bakteriell bedingt.[8]

Entzündung des Ohres (Otitis): Eine Otitis kann sich sehr vielseitig äußern. Je nach Ort der Otitis können ganz andere Symptome vorherrschend sein. Die Otitis kann im Gehörgang (Otitis externa), oder im Mittelohr (Otitis media) auftreten. In diesem Fall kommt am ehesten die akute Entzündung des Mittelohres in Frage (Otitis media acuta).
Die Symptome sind: Stechender Schmerz und Klopfen im Ohr, Ohrgeräusche, herabgesetztes Allgemeinbefinden und Kopfschmerzen.
Bei einer Untersuchung des Gehörganges und des Trommelfells können eine Rötung und diffuse Vorwölbung des Trommelfells mit möglichem Übergreifen der Rötung auf den Gehörgang festgestellt werden.[9]

Speicheldrüseninfektion: Eine akute eitrige Speicheldrüseninfektion führt plötzlich auftretend zu meist einseitigen Schmerzen und Schwellungen im Bereich der betroffenen Drüse. Die Drüse fühlt sich hart an und ist druckempfindlich. Die darüber liegende Haut ist heiß und gerötet. Eiter kann sich in die Mundhöhle entleeren. Beim Abtasten der Drüsen kann man das Sekret hin- und her bewegen. In etwa 20% der Fälle tritt die Drüsenentzündung beidseitig auf.[10]

Biologischer Zusammenhang

Gaumenmandelentzündung (Angina tonsillaris): Aufgrund der oben beschriebenen Lage kommen der Speichel und der Nahrungsbrei beim Schlucken mit den Tonsillen in Berührung. Der Mund ist eine der Haupteintrittspforten für Infektionserreger wie Viren und Bakterien. Die Tonsillen besitzen auf der Oberfläche viele Zellen des Immunsystems. Dazu gehören Makrophagen und Lymphozyten.
Makrophagen sind Fresszellen und Teil der unspezifischen Abwehr des Körpers. Sie können feindliche Zellen erkennen und sie neutralisieren.
Lymphozyten gehören zur spezifischen Immunabwehr und produzieren spezialisierte Antikörper. Antikörper sind Eiweiße. Sie binden an bestimmten Oberflächen von Bakterien oder an eigenen virusbefallenen Zellen. Sie werden in großen Mengen vom Körper produziert, wenn die unspezifische Abwehr überlastet ist.[11] 
Durch die gute Lage der Tonsillen können Krankheitserreger schon kurz nach der Aufnahme über den Mund erkannt und bekämpft werden.
Kommt es zur Aufnahme besonders vieler Infektionserreger, muss die Abwehrlage in den Tonsillen verstärkt werden. Mehr Abwehrzellen werden vom Körper in die Gaumenmandeln „gesendet“. Weiterhin werden sie stärker durchblutet. Die dortigen Zellen können dadurch besser versorgt werden und neue Zellen schneller zum Ziel gelangen. Die Folge der vermehrten Zellpräsenz ist ein Anschwellen der Tonsillen.
Zum Schmerzreiz beim Gähnen kommt es aus folgendem Grund:
Durch das Gähnen wird auf Falte zwischen den Gaumenbögen in der die Tonsillen liegen ein Zug ausgeübt. Sie wird dadurch schmaler und länger. In ihr befinden sich die schon angeschwollenen und gereizten Tonsillen. Der zusätzliche Druck führt zum Schmerzreiz.

Es gibt noch weitere Tonsillen im Rachenraum mit gleicher Funktion. Diese sind jedoch kleiner und führen weniger häufig zu Halsschmerzen.

Rachenentzündung (Akute Pharyngitis): Durch die Rötung und Schwellung der Rachenschleimhaut entstehen bei einer Zugbelastung Schmerzen. Diese können durch Gähnen oder Schlucken ausgelöst werden.

Entzündung des Ohres (Otitis): Sie kann durch Infektionserreger des Mundes ausgelöst werden. Beim Gähnen und weiten Öffnen des Mundes wird durch den Muskelzug die Eustachische Röhregeöffnet. Krankheitserreger können sich in ihr bis zum Ohr bewegen und dort eine Entzündung auslösen.
Öffnet sich nun beim Gähnen die Eustachische Röhre wird die Entzündete Schleimhaut gedehnt und ein Schmerzreiz ausgelöst.[9]

Speicheldrüseninfektion: Insbesondere die Speicheldrüse unter dem Unterkiefer (Glandula submandibularis) könnte in Verbindung mit Halsschmerzen beim Gähnen gebracht werden.
Beispielsweise eine Verlegung des Speicheldrüsenganges durch einenSpeichelstein kann zur Entzündung der Speicheldrüse führen.
Durch den Zug auf den Mundboden und die Bewegung des Kiefers beim Gähnen wird die entzündete Speicheldrüse eingeengt. Der Schmerz, der dabei entsteht, kann in den Hals ausstrahlen.
 
Nach der Analyse der Ursachen kommt am wahrscheinlichsten dieGaumenmandelentzündung in Frage. Um eine Diagnose stellen zu können, ist das Aufsuchen des Hausarztes unerlässlich.

Zu beachten

Bei Verdacht auf eine Gaumenmandelentzündung sollte unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden. Ist eine Gaumenmandelentzündung diagnostiziert, klingen die Beschwerden normalerweise nach 3-6 Tagen wieder ab. Es gibt jedoch auch schwere Verläufe. In jedem Fall sollte ein Arzt konsultiert werden.[12]

Es gibt ähnlich erscheinende Erkrankungen der Gaumenmandeln, die unbedingt ausgeschlossen werden müssen! Dazu gehören:[13]

  • Scharlachangina (Scharlach ist eine Infektionserkrankung, die vor allem im Kindesalter auftritt. Als Initialsymptom des Scharlachs tritt eine dunkelrote Verfärbung der Gaumenmandeln und des übrigen Rachenringes auf.)
  • Diphtherie (Sie ist eine ansteckende Infektionserkrankung der oberen Atemwege,hervorgerufen durch Korynebakterien)
  • Pfeiffer-Drüsenfiber (infektiöse Mononukleose) (Eine durch das Epstein-Barr-Virus hervorgerufene Erkrankung, die auch die Gaumentonsillen betrifft. Deren Symptomatik steht meist im Vordergrund.)
  • Angina Plaut-Vincent (Einseitige Gaumenmandelentzündung; bei der Untersuchung fällt ein kraterförmiges Geschwür einer Mandel auf. Die gegenseitige Tonsille ist häufig völlig unauffällig.)
  • Angina agranulocytotica (An gräulichen Zelluntergängen auf den Gaumenmandeln kann diese Erkrankung des Blutsystems erkannt werden.)
  • Herpangina (Meist durch Coxsackie-A-Viren hervorgerufene Entzündung an Mandeln und Pharynxschleimhaut.)
  • Mundsoor (Pilzinfektion der Schleimhäute; Tritt meist in Verbindung mit Immunschwäche auf)
  • Halsschmerzen sind ein häufiges Symptom bei Erkältungen. Die Gaumenmandeln können auch bei kleineren Infektionen anschwellen und Beschwerden im Halsbereich verursachen. Nicht immer ist ein Arztbesuch nötig.

Bei folgenden Symptomen sollte jedoch unbedingt der Rat eines Arztes eingeholt werden:

  • Weiße Beläge auf den Gaumenmandeln
  • Starkes Fieber
  • Zusätzliche Ohrenschmerzen, oder Ohrgeräusche
  • Veränderung der Sprache
  • Atembeschwerden
  • Dunkelrote Verfärbung der Gaumenmandeln
  • Anschwellung von Lymphknoten am Hals

Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen