Halsschmerzen: Ursachen

Halsschmerzen – Schweinegrippe als Auslöser?

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Halsschmerzen können sehr viele Ursachen haben, wobei meist banale virale Infekte der Auslöser sind. Auch die 2009 erstmals aufgetretene Schweinegrippe kann solche Symptome hervorrufen, Halsschmerzen zählen zu den Leitsymptomen der Erkrankung. Die Schweinegrippe stellt eine Variante der klassischen Influenza dar und unterscheidet sich im Verlauf auch kaum von der echten Grippe.

Medizinische Fakten

In den meisten Fällen werden Halsschmerzen durch Parainfluenza-, Rhino- oder Coronaviren verursacht.[1]Der Verlauf ist dabei in der Regel mild, die Symptome eines grippalen Infektes nach einigen Tagen selbstlimitierend. Wesentlich seltener werden erkältungstypische Beschwerden durch die echte Grippe, also durch Influenzaviren hervorgerufen. Die sogenannte Schweinegrippe ist eine Variante der Influenza und tritt in den letzten Jahren vermehrt auf.

Die Schweinegrippe wird durch Influenza-A-Viren des Types H1N1 verursacht. Generell unterscheidet man bei der Influenza die Gruppen A, B, C und das Thogoto-Virus, wobei letzteres für den Menschen nicht krankheitsauslösend ist. Die Influenza A verläuft meist schwerer als die Influenza B und befällt nicht nur Menschen, sondern auch Tiere.[2] Influenza-A- und -B-Viren sind charakterisiert durch spikeartige Oberflächenstrukturen, die durch die Glykoproteine Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA) gebildet werden. Es sind 16 verschiedene HA und 9 NA bekannt. Influenza-A-Viren werden nach Typ und Subtyp benannt, z.B. A(H3N2). Bei der Influenza B gibt es keine Subtypen, aber seit Jahren zirkulieren weltweit zwei genetisch unterschiedliche Linien (Yamagata-Linie und Victoria-Linie). Das HA ist die Hauptkomponente, die eine Immunantwort auslöst. Das zweite Hüllantigen, die virale NA, spielt eine wichtige Rolle bei der Freisetzung neu gebildeter Viren aus der Zelle.[3] Die NA ist der Angriffspunkt einer Gruppe antiviraler Arzneimittel, der sogenannten Neuraminidasehemmer.

Die hohe Erkrankungsrate der Influenza erklärt sich zum einen durch die evolutionsbedingten Mutationen in den Genen, die für die Oberflächenproteine HA und NA codieren (Antigendrift). Diese Mutationen passieren ständig, weshalb jährlich ein passender Impfstoff für die gerade umgehenden Subtypen der Influenza hergestellt wird. Der zweite Grund für die Häufigkeit der Grippe betrifft nur die Influenzaviren A: Da das Virus neben dem Menschen auch Tiere befällt, kann es sich dort derart verändern, dass es für den Menschen pathogen wird, wie beispielsweise bei der Vogel- (H5N1) oder Schweinegrippe (H1N1). Dies wird auch als Antigenshift bezeichnet.

Die Schweinegrippe kennzeichnet sich durch die Influenza-typische Symptomatik. Plötzlicher Erkrankungsbeginn von einer Minute auf die andere, hohes Fieber (≥ 38,5 °C), trockener Reizhusten, Halsschmerzen und Muskel- sowie Kopfschmerzen können auf eine Infektion hinweisen. Weitere Symptome können allgemeine Schwäche, Schweißausbrüche, aber auch Übelkeit/Erbrechen und Durchfall sein. Die Diagnose kann meist anhand der charakteristischen Symptomatik gestellt werden.

Zu beachten ist aber, dass bei weitem nicht alle Influenza-Infizierten die typischen Beschwerden zeigen. Etwa ein Drittel der Erkrankten zeigt einen fieberhaften Verlauf, ein Drittel einen leichteren Verlauf und ein Drittel zeigt überhaupt keine Symptome. Die Krankheitsdauer beträgt in der Regel rund 7 Tage, allerdings kann sie in Abhängigkeit von Komplikationen und Risikofaktoren auch deutlich länger sein. Während bei der saisonalen Form der Influenza vor allem typische Risikogruppen wie Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke von schwereren Verläufen betroffen waren, zeigen bei der Schweinegrippe charakteristischerweise auch sehr viel jüngere Patienten einen heftigen Verlauf.

Ein Schwerer Krankheitsverlauf zeichnet sich meist nach 3 bis 5 Tagen ab und zeigt sich wie folgt:

  • über 3 Tage kontinuierlich hohes Fieber (>38,5°C)
  • Atemnot, Schwierigkeiten beim Atmen oder Kurzatmigkeit
  • Extreme Abgeschlagenheit und Schwäche, Blutdruckabfall
  • Brustschmerzen, blutiger Hustenauswurf

Wirkungsweise (Biologischer Zusammenhang)

Dringen Influenzaviren in die Schleimhaut des Rachens ein, lösen sie dort eine lokale Entzündung aus. Körpereigene Immunzellen wie Granulozyten, Monozyten oder Lymphozyten werden aktiviert, wandern in das betroffene Areal ein und schütten eine Vielzahl von Entzündungsmediatoren aus, die zu einer Rötung und Schwellung der Schleimhaut führen und die charakteristischen Halsschmerzen erzeugen. Im Verlauf der Entzündung laufen eine Vielzahl immunologischer Prozesse ab, wobei virale Infekte vor allem von Natürlichen Killerzellen und Lymphozyten bekämpft werden.

Behandlung

Bei unkompliziertem Verlauf und bei Personen, die keiner der Risikogruppen angehören, ist eine symptomatische Therapie der Influenza-Erkrankung in der Regel ausreichend. Bei Verdacht auf einen schweren Verlauf oder wenn ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht, z.B. bei Senioren, Personen mit chronischen Krankheiten oder bei Schwangeren, sollte eine antivirale Therapie erwogen werden. Die spezifische Behandlung mit antiviralen Arzneimitteln sollte so früh wie möglich, d.h. innerhalb der ersten beiden Tage nach Symptombeginn, begonnen werden, um die Diagnose positiv zu beeinflussen. Bei schweren Verläufen kann die Therapie auch danach noch, unter Umständen auch in höherer Dosierung und über einen längeren Zeitraum, versucht werden. Heutzutage kommen therapeutisch fast ausschließlich Neuraminidasehemmer zur Anwendung, gegen die Influenza A und B stehen Zanamivir (Relenza) und Oseltamivir (Tamiflu) zur Verfügung. Sie blockieren die Aktivität der viralen Neuraminidase und hemmen damit die Freisetzung neugebildeter Viren.

Die Neuraminidasehemmer sind in der Regel gut verträglich, häufige Nebenwirkungen des oral einzunehmenden Oseltamivir sind Übelkeit/Erbrechen und bei dem inhalativ einzunehmenden Zanamivir können bei Asthmatikern Anfälle induziert werden.

Präventiv wird seit Jahren ein Impfprogramm gegen die Influenza durchgeführt, wobei der Impfstoff jedes Jahr im Herbst den aktuellen Influenzavarianten angepasst wird. Empfohlen wird die Impfung vor allem älteren und chronisch kranken Menschen, Diabetikern, Patienten mit einem Immundefekt und Personen, die im Gesundheitssystem tätig sind.[4].

Zu beachten

Auch wenn die Influenza heutzutage klinisch gut beherrschbar ist, sollte sie keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Sie ist eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten überhaupt und hat bereits Millionen Menschen das Leben gekostet.

Die Schweinegrippe, die zuletzt 2009 zu einer Pandemie geführt hat, ist im Prinzip lediglich eine Variante eines H1N1- Influenza- Stammes. Im Gegensatz zu der klassischen Influenza treten allerdings bei der Schweinegrippe schwere Verläufe auch bei sehr viel jüngeren Patienten auf. 


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen