Halsschmerzen: Ursachen

Halsschmerzen durch Mandeln?

© PantherMedia / Gleb Shabashnyi

Halsschmerzen treten sehr häufig auf und können durch eine Entzündung der Mandeln (Tonsillen) bedingt sein. Die Mandeln sind ein wichtiger Bestandteil des Abwehrsystems (Immunsystem) und befinden sich im mittleren Abschnitt des Rachens (Oropharynx) am Gaumenbogen (Arcus palatinus). Im Rahmen einer entzündlichen Veränderung kommt es zu einer Schwellung der Mandeln, welche zusätzlich zu Schluckbeschwerden oder sogar Luftnot führen können.  In der Regel entsteht eine Mandelentzündung (Tonsillitis) durch eine Infektion mit Viren und klingt innerhalb weniger Tage wieder ab. In einigen Fällen können aber auch Bakterien eine Mandelentzündung hervorrufen, die dann mit sehr starken Halsschmerzen und einem plötzlichen Krankheitsbeginn einhergeht.

Medizinische Fakten

Halsschmerzen entstehen meist durch eine Entzündung im Rachen (Pharynx). Dieser teilt sich in drei Bereiche, wobei ein oberer (Nasopharynx), mittlerer (Oropharynx) und ein unterer (Laryngopharynx) Teil unterschieden werden. Im mittleren Drittel des Rachens befinden sich die Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae), welche direkt hinter dem Gaumenbogen beidseits lokalisiert sind.

Die Gaumenmandeln stellen einen wichtigen Bestandteil des körpereignen Abwehrsystems dar. Ihre Funktion besteht in der Erkennung und Vernichtung von Krankheitserregern bevor diese über die tiefen Atemwege in den Körper eindringen können.

Eine Entzündung der Gaumenmandeln, auch bekannt als Angina,  kann durch diverse Krankheitserreger verursacht werden.

Angina catarrhalis

In bis zu 70 Prozent der Fälle wird eine Mandelentzündung durch eine Infektion mit Viren, meistAdeno- und Rhinoviren verursacht. Die Mandeln stellen sich hierbei meist rot und nur leicht vergrößert dar.

Angina follicularis und lacunaris

Gelegentlich kann eine Mandelentzündung durch eine bakterielle Entzündung ausgelöst werden, wobei vor allem Streptokokken in diesem Zusammenhang häufig beobachtet werden. Diese führen zu vergrößerten, hochroten  Mandeln mit gelblichen Stippchen (Angina follicularis) odergelblich, flächigen Belegen (Angina lacunaris).

Angina membranacea

Eine bakterielle Infektion mit Pneumokokken kann eine Mandelentzündung mit geschwollenen, geröteten Mandeln hervorrufen, welche durch großflächige, zusammenlaufende (konfluierende) gelbliche Belege charakterisiert ist, die über die Mandeln hinausgehen.

Angina ulcerosa

Eine eher seltene Ursache ist eine Infektion mit dem Bakterium Fusobacterium fusiforma und Borrelia vincentii. Beide Keime lösen die sogenannte Angina Plaut-Vincent aus, die sich durchzerklüftete, faulige (nekrotische) Mandeln auszeichnet, wobei in der Regel ein einseitiger Befall zu beobachten ist. Die Form der Mandelentzündung geht in der Regel mit starkem Mundgeruch (Foetor ex ore) einher.

Angina herpatica

Auch als Herpangina bekannt, wird diese Art der Mandelentzündung durch eine virale Infektion mitCoxsackie-B-Viren hervorgerufen. Besonders häufig sind Kinder betroffen, wobei die Mandeln sich klassischerweise nur leicht geschwollen darstellen. In der Regel finden sich weißliche Bläschen am Gaumen, die von einem roten Rand umgeben sind. Die Herpangina geht mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl einher.

Monozytenangina

Diese Form der Angina ist auch unter dem Namen Pfeiffer’sches Drüsenfieber und Mononukleose bekannt. Die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus wird vor allem durch Küssen übertragen, weshalb auch die Bezeichnung „Kissing-Disease“ geläufig ist. Hierbei finden sich vor allemweißliche Belege auf den Mandeln. [1] [2]

Bei allen Formen der Mandelentzündung können folgende Symptome auftreten:

  • Halsschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • Kratzen im Halsbereich
  • ausstrahlende Schmerzen in die Ohren
  • Mundgeruch
  • allgemeine Abgeschlagenheit
  • Lymphknotenschwellung im Halsbereich

Biologischer Zusammenhang

Die Mandeln sind ähnlich wie ein Lymphknoten aufgebaut. Sie sind von Plattenepithel überzogen und in der Tiefe von sogenannten Lymphfollikeln (Ansammlung von Immunzellen) durchsetzt. Durch zahlreiche Einfaltungen der Oberfläche entsteht eine Gesamtfläche von mehr als 300 m² pro Mandel. Dieses Areal dient als Kontaktfläche zwischen Außenwelt und Körper. Gelangen krankheitsauslösende Keime in den Organismus, so werden sie über die Mandel aufgenommen und in den Tiefen des Gewebes den Immunzellen präsentiert. An der Oberfläche solcher Keime befinden sich spezifische Moleküle, sogenannte Antigene, welche charakteristisch für jeden einzelnen Keim sind. In den Lymphfollikeln befinden sich B-Lymphozyten, die zu  einer Antikörperproduktion gegen das spezfische Antigen befähigt sind. Die Antikörper bin anschließend an das jeweilige Antigen, wodurch eine spezfische Abwehr gegen den Keim initiiert wird. Zusätzlich können Fresszellen (Makrophagen) zu einer Elimination von Krankheitskeimen beitragen. Durch den intensiven Kontakt mit Krankheitserregern befinden sich die Mandeln in einem stetig aktiven Zustand der Abwehr von Infekten. Bei der Auseinandersetzung mit krankheitserregenden (pathogenen) Keimen entsteht ein Entzündungsprozess, der sich mit den typischen Symptomen einer Entzündung manifestiert:

  • Rötung (Rubor)
  • Schwellung (Tumor)
  • Überwärmung (Calor)
  • Schmerz (Dolor)[3]

Dabei entsteht die Überwärmung und Rötung durch eine vermehrte Durchblutung des Gewebes. Diese dient unter anderem dem Transport von Immunzellen. Der Schmerz wird durch bestimmte Botenstoffe hervorgerufen. Hier spielt das Prostaglandin E2 eine zentrale Rolle. Es sensibilisiert die Nervenendigungen im Gewebe für Reize und verbessert so die Schmerzentstehung, sowie Schmerzweiterleitung. Die Schwellung wird durch die einwandernden Zellen verursacht, welche ein entzündliches Infiltrat bilden. In den Mandeln kommt es auch zu einer Vermehrung bestimmter Immunzellen, welche dazu befähigt sind Antikörper gegen die krankheitserregenden Keime zu produzieren.

Zu beachten

Bakteriell bedingte Mandelentzündungen sollten mit einem Antibiotikum behandelt werden. Da eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Krankheitserregern anhand des Aussehens (Morphologie) der Mandeln für den Laien nicht einfach ist, sollte im Zweifelsfall ein Arzt aufgesucht werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen