Halsschmerzen: Ursachen

Halsschmerzen (bei Heuschnupfen)

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Immer wiederkehrende Beschwerden wie eine verstopfte Nase, anfallsweises Niesen und Hypersekretion, besonders während der Monate März bis Juli, deuten auf Heuschnupfen (allergische Rhinitis oder Pollinosis) hin. Weitere typische Begleiterscheinungen sind Halsschmerzen, Bindehautentzündung (Konjunktivitis), sowie Tränenfluss, Gesichtsschwellung, Kopfschmerz und Müdigkeit.[1][2]

Im Folgenden werden die medizinischen Fakten, die biologischen Zusammenhänge und die Risiken in Verbindung mit Halsschmerzen bei Heuschnupfen näher erläutert.

Medizinische Fakten

Mit einer Prävalenz von 15-20% ist die Rhinitis allergica eine der häufigsten Erkrankungen des Menschen. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten, beginnt meist jedoch schon vor dem zwanzigsten Lebensjahr. Säuglinge im ersten Lebensjahr sind selten betroffen. Der Heuschnupfen wird als saisonale Rhinitis klassifiziert. Eine andere Form der allergischen Rhinitis ist die nicht saisonale, ganzjährige Rhinitis, die durch Inhalationsallergene wie Hausstaub, Matratzenfüllstoffe oder Schimmelpilzsporen, Tierhaare oder Berufsallergene ausgelöst wird. In seltenen Fällen handelt es sich um eine Nahrungsmittelallergie, die durch eine Fernreaktion ausgelöst wird.[3][4][5]

Am häufigsten tritt Heuschnupfen zur Hauptblütezeit im Frühjahr und Sommer auf, wenn Gräser, Getreide und frühblühende Bäume wie beispielsweise Erle und Birke ihre Pollen verbreiten. Da bereits wenige Pollenkörner ausreichen, damit ein Allergiker eine typische Immunreaktion erleidet, sind es vor allem die Windbestäuber, die ihnen zusetzen. Deren Pollen sind zugunsten der Flugfähigkeit sehr klein und können bis zu 300km weit durch die Luft getragen werden.[6]

Biologischer Zusammenhang

Der Heuschnupfen wird durch eine allergische Typ 1 Reaktion ausgelöst.

Da die Nasenschleimhaut aufgrund ihrer Position und ihrer Anatomie die erste Barriere für Erreger und Allergene darstellt, kommt die eingeatmete Luft in dem engen Raum zwischen Nasenscheidewand und äußerer Nasenwand automatisch mit der Schleimhaut und den darauf befindlichen Flimmerhärchen, sowie der aufliegenden Gelphase in Kontakt. Diese Schleimhautreizung verursacht eine Entzündung. Bei fortschreitender Exposition können ebenfalls die dahinter liegenden Luftwege angegriffen werden, was sich in Husten und Halsschmerzen äußern kann.

Die allergische Reaktion wird eingeteilt in eine Phase der spezifischen Sensibilisierung und eine unspezifische Effektorphase. Durch die Aufnahme der Allergene über Mediatorzellen der Schleimhaut, welche die Allergene nachfolgend auf ihrer Oberfläche präsentieren, entsteht die Sensibilisierung. T-Helfer-Zellen binden diese Allergene und übermitteln durch Botenstoffe eine Stimulierung von B-Zellen, die daraufhin IgE-Antikörper bilden. Diese binden sich an Oberflächen bestimmter Immunzellen, wie etwa Mastzellen. Der daraus resultierende Komplex stellt eine Bindungsstelle für diese Allergene dar. Bei erneuter Allergenexposition ist das Immunsystem dadurch zu einer Sofortreaktion befähigt: Mastzellen schütten Mediatoren wie Histamin, Prostaglandine und Leukotriene aus, welche eine Entzündung hervorrufen und die typischen Allergiesymptome auslösen.[7][8]

Zu beachten

Da nicht alle Menschen Allergien entwickeln und teils ganz unterschiedliche Auslöser allergische Reaktionen provozieren, scheint es bestimmte Risikofaktoren zu geben, welche manche Personengruppen empfänglicher für diese Art der Erkrankung machen. Die genauen Gründe dafür sind nicht bekannt, doch weiß man mittlerweile um einige prädisponierende Faktoren:

  • Genetische Vorbelastung: Das Risiko für Kinder im Laufe des Lebens eine Allergie zu entwickeln steigt mit der Anzahl betroffener Verwandter. Mit 50-75% ist das Risiko am höchsten, wenn beide Elternteile an der gleichen Allergie leiden.
  • Übermäßige Hygiene: Auf dem Land leiden ungefähr 4% der Kinder unter einer Allergie, in der Stadt sind es hingegen rund 10%. Ähnlich verhält es sich mit Asthma (3% zu 6%). Man nimmt an, dass der Körper von Landkindern durch häufigeren Kontakt zu verschiedenen Keimen ein Immunsystem mit größerer Toleranzbreite entwickeln kann.
  • Luftverschmutzung: Erhöhte Feinstaubbelastung und Umweltschadstoffe wie Zigarettenrauch oder Ozon belasten die Atemwege und machen sie sensibler gegenüber Allergenen.
  • Nicht gestillte Kinder entwickeln häufiger Allergien als Kinder, die mindestens 4 Monate lang gestillt werden.
  • Haustiere stellen durch Haare und Hautschuppen eine zusätzliche Belastung für Menschen, die zu Allergien neigen, dar.
  • Vieles an der heutigen „westlichen“ Ernährung steht im Verdacht Allergien auslösen oder deren Entstehung fördern zu können. Dazu zählen ein hoher Fettkonsum, Verdickungsmittel, Farb- und Konservierungsstoffe und genmanipuliertes Gemüse.[9]

Personen, die an einer allergischen Rhinitis leiden, weisen aufgrund der anhaltenden Schleimhautirritation ein um etwa dreimal erhöhtes Risiko auf Asthma bronchiale zu entwickeln. Man spricht hierbei von einem „Etagenwechsel“. Zudem ist eine Zunahme des Allergiespektrums möglich: Erkrankungen wie Neurodermitis (atopisches Ekzem) und Nahrungsmittelallergien können auftreten. Dehnt sich die Entzündung aus, dann besteht das Risiko einer Nasennebenhöhlenentzündung (Rhinosinusitis).[10]

Aufgrund dieser teils irreversiblen Ko-Morbiditäten und Langzeitfolgen, ist eine Abklärung des Allergensprektrums und das Einstellen einer adäquaten Therapie beim Facharzt angeraten.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen