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Spanische Grippe

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Die spanische Grippe in den Jahren 1918 – 1920 war eine Pandemie einer hoch infektiösen Virusvariante des Influenzavirus A. Sie forderte 20 – 50 Millionen Menschenleben und betraf untypischerweise überwiegend junge Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren.[1]

Wirkungsweise (Biologischer Prozess)

Das Influenzavirus gehört zu der Gattung der Orthomyxoviridae und wird anhand bestimmter Proteine in Typen und Subtypen unterteilt. Proteine innerhalb des Virus bestimmen die Typisierung in A, B und C; anhand der Oberflächenproteine Hämagglutinin (Antigen HA) und Neuraminidase (Antigen NA) werden die Subtypen der Orthomyxoviridae Influenza-A abgeleitet. B und C hingegen werden nicht weiter unterteilt. Es gibt verschiedene Hämagglutinine und auch unterschiedliche Neuraminidasen, deren Kombination auf der Oberfläche des Influenzavirus A für die Namensgebung verantwortlich ist. So wurde die spanische Grippe beispielsweise vom H1N1-Virus ausgelöst, welcher folglich das Hämagglutinin 1 und die Neuraminidase 1 enthält. Ist ein Wirt von zwei unterschiedlichen Virusstämmen betroffen, so können diese Erbmaterial untereinander austauschen und neue H/N-Kombinationen schaffen. Da das Influenzavirus A als einziges den Menschen und zahlreiche Tierarten wie Vögel und Säugetiere betrifft, ist hier die Wahrscheinlichkeit einer Neukombination des Erbmaterials am größten. Neu auftretende Kombinationen stellen für den Menschen eine ernstzunehmende Bedrohung dar und führen etwa alle 10 – 20 Jahre zu großen Grippepandemien.[2]

Fakten zum Thema

Wo genau die Grippewelle von 1918 ihren Anfang nahm, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Es wird vermutet, dass der erste Ausbruch Anfang des Jahres in einer Kaserne in Kansas, USA stattfand und von dort aus mit der Truppenbewegung nach Europa gelangte. Da die erste offizielle Meldung wiederum aus Spanien kam, wurde diese Welle durch die Presse zur „Spanischen Grippe“ erklärt.

Im Herbst 1918 fand eine zweite große Infektionswelle dieses Erregers statt. Es wird geschätzt, dass zu diesem Zeitpunkt zwei Drittel der Weltbevölkerung infiziert waren. Nach einer dritten Welle im Frühjahr 1919 sank allmählich die Zahl der Neuerkrankungen.[3]

Neueren Erkenntnissen zufolge war es nicht der Erreger selbst, der so verheerende Auswirkungen hatte. Tatsächlich waren die Verläufe bei Personengruppen außerhalb der Altersklasse der 20 – 40jährigen verhältnismäßig mild. Vielmehr war es deren unvorbereitetes Immunsystem, das dem H1N1-Virus nahezu schutzlos ausgeliefert war. Bestandteile der neuen Kombination aus Hämagglutinin und Neuraminidase waren der sonst von Influenza-A-Viren typischerweise eher betroffenen älteren Bevölkerungsgruppe bereits begegnet, weshalb deren Immunsystem schon früher Antikörper dagegen bilden konnte. Jüngeren hingegen war dieser Erregertyp fremd, weshalb die Immunabwehr nur unzureichend funktionierte und bakterielle Superinfektionen in Form von beispielsweise Lungenentzündungen ermöglichte, welche als Hauptursache für die hohe Anzahl der Todesopfer identifiziert wurde. 


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Grippe