Halsschmerzen: Begleiterscheinungen

Halsschmerzen + Ohrenschmerzen (einseitig)

© PantherMedia / Gleb Shabashnyi

Halsschmerzen gehören zu den typischen gesundheitlichen Beschwerden der kalten Jahreszeit und werden in der Mehrzahl der Fälle durch Viren verursacht. Die meisten viralen Infekte des Nasen-Rachenraumes verlaufen unkompliziert und heilen von selbst aus. In manchen Fällen kommt es jedoch zu einem Aufsteigen der Infektion ins Mittelohr, was ein- oder beidseitige Ohrenschmerzen verursachen kann. Im Folgenden sollten die Hintergründe und Entstehungsmechanismen dieser Symptomatik erklärt werden.

Medizinische Fakten

Steigt eine Infektion der oberen Atemwege in die Paukenhöhle des Mittelohres auf, kommt es zu einer akuten Mittelohrentzündung (Otitis media acuta).[1] Dieses Krankheitsbild betrifft vor allem Kinder, seltener Erwachsene: Knapp 50% aller Kinder machen vor dem 10. Lebensjahr mindestens einmalig eine Mittelohrentzündung durch. Zu den häufigsten Erregern zählen das Respiratory Syncytical Virus sowie Parainfluenza- und Rhinoviren. Die selteneren bakteriellen Infektionen gehen in den meisten Fällen auf Streptokokken zurück. Neben typischen Ohrsymptomen wie starke nächtliche Schmerzen, Hörminderung und Druckgefühl beobachtet man bei einer erkältungsbedingten Otitis media außerdem:

  • Husten und Schnupfen
  • Reizbarkeit
  • Fieber
  • Appetitlosigkeit

Biologischer Zusammenhang

Bei einer Infektion des Rachenraums durch Viren kommt es neben den entzündungsbedingten Halsschmerzen auch zum Anschwellen der Schleimhäute. Die dort befindlichen Flimmerhärchen sind nicht mehr in der Lage, das infektiöse Sekret effizient abzutransportieren, weshalb sich die Erreger nicht nur im oberen Rachenraum vermehren, sondern auch das Mittelohr ein- oder beidseitig befallen können.[2] Diese beiden Bereiche sind nämlich über die so genannte Ohrtrompete (Tuba auditiva Eustachii) direkt miteinander verbunden, wodurch das Aufsteigen von Infektionen begünstigt wird. Durch das Anschwellen der Schleimhäute ist nicht nur die natürliche Belüftung des Mittelohrs gestört, sondern auch der Sekretabfluss. In diesem Milieu können sich die Erreger rasch vermehren. Die im Rahmen der daraus resultierenden Entzündungsreaktion ausgeschütteten, biochemischen Botenstoffe (Prostaglandine) aktivieren die Schmerzrezeptoren der betroffenen Areale und verursachen Ohrenschmerzen. Auch Halsschmerzen werden durch eben diesen biochemischen Mechanismus verursacht.

Zu beachten

Wird eine Mittelohrentzündung zu spät erkannt oder nicht adäquat behandelt, kann es zu verschiedenen Komplikationen[3]kommen. Das infektiöse Sekret kann beispielsweise in das umliegende Gewebe einbrechen und eine Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoiditis) verursachen. Dieser Knochen grenzt direkt an das Mittelohr und kann als ‚Höcker’ hinter dem Ohr am Übergang zwischen Kopf und Hals getastet werden. In den meisten Fällen verursacht diese Entzündung keine auffälligen Symptome. Verläuft sie jedoch eitrig, besteht die Gefahr einer Verschleppung der Erreger in die Blutbahn, was zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen kann. Ebenso schwerwiegend kann eine durch eitriges Sekret verursachte Entzündung der Hirnhäute (Menigitis) verlaufen. Bei einer deutlichen Verschlechterung der Beschwerden sowie beim Auftreten von hohem Fieber, Schüttelfrost oder Nackensteife sollte also umgehend ein Arzt konsultiert werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen