Halsschmerzen: Begleiterscheinungen

Halsweh und Mundgeruch

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Halsschmerzen sind ein sehr häufiges Symptom und werden durch zahlreiche Erkrankungen verursacht, wobei sie meist im Zusammenhang mit infektiös bedingten Entzündungen im Rachen (Pharynx) auftreten. Das gleichzeitige Vorhandensein von Halsweh und Mundgeruch (Foetor ex ore) wird jedoch nur bei vereinzelten Entzündungskrankheiten beobachtet, welche vor allem die Gaumenmandeln (Tonsilla palatina) betreffen. Im Folgenden soll auf jene Gaumenmandelentzündungen (Tonsillitiden) eingegangen werden, bei denen sich sowohl Halsschmerzen, als auch Mundgeruch parallel manifestieren. Dabei werden besonders die medizinischen Fakten, sowie zu beachtende Informationen genauer erläutert.

Medizinische Fakten

Die Mandeln (Tonsillen) gehören zum lymphatischen System (mucosa-associated-lymphoid-tissue, MALT) des Körpers und stellen somit einen Teil des Immunsystems dar. Im Kopf-Halsbereich befinden sich an verschiedenen Lokalisationen Tonsillen, die für die Abwehr von Infektionserregern zuständig sind:

  • Rachenmandel (Tonsilla pharyngea)
  • Gaumenmandel (Tonsilla palatina)
  • Zungenmandel (Tonsilla lingualis)
  • Tubenmandel (Tonsilla tubaria)

Die Tonsillen werden von einem unverhornten Plattenepithel überzogen, das sich mehrfach faltet, um so seine Oberfläche zu vergrößern. Dadurch entsteht beispielsweise bei der Tonsilla palatina eine Oberflächengröße von 300 cm². Diese bietet ausreichend Platz, um Erreger, die über den Mund aufgenommen werden, abzufangen und zu eliminieren, bevor sie in den Körper tiefer eindringen können. [1] Bestimmte Erreger reizen beziehungsweise zerstören dabei das Gewebe der Tonsillen, meist der Tonsilla palatina, wodurch es zur Entzündung (Tonsillitis) kommt.

Zu diesen Erregern gehören beispielsweise Bakterien, welche eine bakterielle Tonsillitis verursachen. Hierzu zählen folgende Bakterien:

  • ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (GAS)
  • Haemophilus influenzae (nicht zu verwechseln mit dem Influenza-Virus!)
  • Staphylokokken
  • Pneumokokken

Diese bakterielle Tonsillitis, meist bei Kindern anzutreffen, manifestiert sich typischerweise mit folgenden Symptomen:

  • Starke Hals- und Schluckbeschwerden, die bis in die Ohren ausstrahlen
  • Starkes Krankheitsgefühl
  • Schmerzhafte Mundöffnung
  • Vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation)
  • Kloßige Sprache
  • Geschwollene, hochrote, schmerzhafte Gaumenmandeln mit weißlich-gelben Stippchen (fleckig, konfluierender Belag)
  • Mundgeruch (Foetor ex ore)

Bei einer Mischinfektion mit dem Bakterium Treponema vincentii und Fusobacterium tritt eine besondere Form der bakteriellen Tonsillitis auf, welche auch als Angina Plaut-Vincent bezeichnet wird. Die Bakterien zerstören stark die Tonsillenstruktur, sodass es zu massivem Zelluntergang (Nekrosen) kommt. Die Erkrankung manifestiert sich klassischerweise wie folgt:

  • Geringes Krankheitsgefühl
  • Kein Fieber
  • Einseitige Halsschmerzen
  • Starker Mundgeruch
  • Zerklüftete Tonsillen mit grau-grünlich, übel riechenden Belägen[2]

Eine weitere Infektionskrankheit, die mit Halsweh und Mundgeruch gleichzeitig einhergeht, ist die viral bedingte Mononukleose, auch Pfeiffer‘sches Drüsenfieber oder „Kissing Disease“ genannt. Hierbei liegt eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) vor, das zu der Familie der Herpesviren zählt. Das Virus wird über Tröpfcheninfektion übertragen und tritt klassischerweise bei Jugendlichen auf. Die Erkrankung geht einher mit:

  • Fieber
  • Starken Halsschmerzen
  • Beidseitig geschwollenen, schmerzhaften Halslymphknoten (zervikale Lymphadenopathie)
  • Gliederschmerzen
  • Vergrößerten Tonsillen mit gräulich, schmierigen Belägen
  • Foetor ex ore[3]

Abschließend soll noch die Infektion mit dem Diphtherie-Bakterium (Corynebacterium diphtheriae) besprochen werden, wobei die Erkrankung der Diphtherie aufgrund des guten Impfstandards heutzutage sehr selten geworden ist. Die durch Tröpfcheninfektion ausgelöste Tonsillitis wird häufig mit folgenden Symptomen beobachtet:

  • Starkes Krankheitsgefühl
  • Gelegentlich Fieber bis 39°C
  • Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
  • Gerötete Tonsillen mit grau-weißen Pseudomembranen
  • Im Verlauf Kehlkopfbeteiligung mit
    – Heiserkeit (Dysphonie)
    – Husten (Tussis)
    – evtl. Atemnot (Dyspnoe)[4]

Zu beachten

Bei Verdacht auf eine durch Streptokokken ausgelöste Tonsillitis sollte zwingend ein Arzt aufgesucht werden, um eine gezielte antibiotische Therapie einzuleiten, sodass Folgeerkrankungen, wie das rheumatische Fieber, Entzündungen der Herzklappen (Endokarditis) oder eine Nierenentzündung (Nephritis) verhindert werden können.


Behandlungsmöglichkeiten bei Halsschmerzen