Husten: Begleiterscheinungen

Gelber Schleim beim Husten

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Gelber Auswurf im Rahmen einer Erkältung gilt als Indiz für eine bakterielle Infektion bzw. Superinfektion (bei ursächlich viralem Befall) der oberen Atemwege.

Der folgende Text beleuchtet diese These vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse hinsichtlich der medizinischen Fakten, der biologischen Zusammenhänge sowie möglicher Risiken.

Medizinische Fakten

Husten wird durch chemische, physikalische oder entzündliche Stimulation von Hustenrezeptoren in den Atemwegen ausgelöst und als „plötzlicher Atemstoß nach kurzem Stimmritzenschluss“ definiert [1]. Er kann durch viele verschiedene Grunderkrankungen wie beispielsweise Asthma bronchiale, Allergien oder Herzerkrankungen, aber auch durch äußere Einflüsse wie Tabakrauch und Medikamente hervorgerufen werden.

Akut auftretender Husten mit Absonderung von gelbem oder grünem Schleim in Verbindung mit allgemeinen Erkältungssymptomen wie Schnupfen, erhöhte Temperatur und Abgeschlagenheit bei Betroffenen, die keiner Risikogruppe angehören, sind in den meisten Fällen auf virale Infekte (z.B. Rhino-, Adeno- oder Corona-Viren) der oberen Atemwege zurückzuführen. Solche Erkrankungen heilen in der Regel binnen weniger Wochen spontan aus [2].

Biologische Zusammenhänge

Das Bronchialsekret gesunder, erwachsener Menschen besteht zu 95% aus Wasser, die verbleibenden 5% setzen sich vor allem aus Schleimstoffen (Muzinen), Eiweißen wie Albumin, Fibrinogen und Immunglobulinen (IgA) sowie abgeschliffenen Schleimhautzellen (Epithelzellen) zusammen. Ist der Auswurf gelblich-grünlich verändert, ist dies in erster Linie auf den Zerfall von Entzündungszellen (Granulozyten) und den daraus freigesetzten Stoffen (Leukoproteine und Leukoverine) zurückzuführen und weniger auf bakterielle Stoffwechselprodukte [3].

Gestützt wird diese Erkenntnis durch eine Studie aus dem Jahr 2009. Es zeigte sich, dass allein die gelblich-grüne Färbung des Sputums der erkrankten Personen wenig Rückschlüsse auf das Vorliegen eines bakteriellen Infekts zulässt. [4]

Aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse sollte daher die Farbe des Bronchialsekrets nicht mehr als diagnostisches Mittel zur Differenzierung zwischen viralen und bakteriellen Infektionen herangezogen werden. Gelber Schleim beim Husten sollte aufgrund der offensichtlich hohen Infekt-Intensität dennoch ärztlich abgeklärt werden.

Zu beachten

Bestimmte Patientengruppen sind besonders gefährdet, schwere Komplikationen bei normalerweise banalen Infekten zu erleiden. Husten mit Absonderung von verfärbtem und zähem Schleim sollte bei chronisch Lungenkranken (Asthmatiker, COPD-Patienten), Diabetikern, Senioren, Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern, bei bestehender Herzschwäche sowie bei Menschen mit eingeschränkter Immunfunktion (HIV-Patienten, medikamentöse Immunsuppression z.B. bei Transplantatempfängern) immer ärztlich abgeklärt werden.

Doch auch bei gesunden Erwachsenen ist es ratsam, auf Begleitsymptome zu achten, die auf behandlungsbedürftige Erkrankungen hinweisen können. Herzrasen (Tachykardie), Atemunregelmäßigkeiten (Dyspnoe) sowie Schmerzen beim Atmen sind möglicherweise Indizien für Zustände, in denen eine sofortige medizinische Versorgung erforderlich ist.

Husten, der länger als 8 Wochen anhält, sollte stets differentialdiagnostisch betrachtet werden und ist somit auch ohne weitere auffällige Symptome immer ein Fall für den Arzt.