Husten: Begleiterscheinungen

Urinabgang beim Husten

© PantherMedia / jirkaejc

Eine häufige Ursache für unwillkürlichen Urinabgang aus der Blase beim Husten (Tussis) ist eine Belastungsinkontinenz. Als Belastungsinkontinenz wird Urinverlust ohne vorherigen Harndrang unter körperlicher Belastung bezeichnet. Im Folgenden sollen die medizinischen Fakten, der biologische Zusammenhang und mögliche Komplikationen dieses Beschwerdebildes ausführlicher erläutert werden.

Medizinische Fakten

Bei Männern entsteht eine Belastungsinkontinenz meist nach Operationen an der Prostata, bei denen die Schließmuskulatur der Harnblase beschädigt wurde. Bei Frauen hingegen können Umstellungen des Hormonhaushalts, wie sie während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren stattfinden, zu einer Belastungsinkontinenz führen. [1] Das Beschwerdebild der Belastungsinkontinenz wird in drei Schweregrade eingeteilt. Urinverlust beim Husten wird als Inkontinenz ersten Grades beschrieben. Erst bei Urinabgang während alltäglicher Bewegungen wie Treppensteigen muss von einer schwerwiegenderen Inkontinenz ausgegangen werden. Den höchsten Schweregrad erreicht die Belastungsinkontinenz, wenn auch im ruhigen Stehen oder Liegen Urin verloren wird. [2]

Biologischer Zusammenhang

Der Belastungsinkontinenz liegen in der Regel eine schwache Beckenbodenmuskulatur und eine Überdehnung der Haltebänder im kleinen Becken zu Grunde. Im gesunden Zustand bildet die Beckenbodenmuskulatur ein Widerstandslager für den Verschlussapparat der Harnröhre. Die fehlende muskuläre Spannung der Muskulatur kann bei Drucksteigerung im Bauchraum, wie beim Husten, Lachen, Niesen und Heben von schweren Gegenständen, zu einer kurzzeitigen Öffnung der Harnröhre und somit zu Urinabgang führen. Bei Frauen geht die Erschlaffung des Beckenbodens zumeist mit einer Senkung der Vagina und des Uterus (sog. Descensus) einher, wodurch die Inkontinenz noch verstärkt wird.

Zu beachten

Da es noch viele weitere Formen der Harninkontinenz gibt, ist es von großer Wichtigkeit, mittels ausführlicher Diagnostik die richtige Diagnose zu stellen. Auf diese Weise lassen sich die Erfolgschancen einer Behandlung erhöhen.

Da Harnkontinenz mit einem andauernden sozialen Stigma besetzt ist, wird seit einigen Jahren an einer Entstigmatisierung der Erkrankung in der Öffentlichkeit gearbeitet. [3]