Erkältung: Im Alltag

Erkältung und küssen?

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Beim Küssen besteht das Risiko, sich mit einer Erkältung (grippaler Infekt, österreichisch Verkühlung) anzustecken. Die Wahrscheinlichkeit, sich durch einen Kuss anzustecken, ist jedoch nicht zwangsläufig höher als beim Händeschütteln. Warum dies so ist, wird im Folgenden erklärt.

Medizinische Fakten

Es ist möglich, sich durch Küssen mit einer Erkältung bzw. einem grippalen Infekt anzustecken. Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr in der akuten Phase der Erkrankung. Dies ist der Zeitraum, in dem die erkrankte Person die meisten Symptome zeigt, also zum Beispiel starken Husten (Tussis) und Schnupfen (Rhinitis) hat.

Um sich vor einer Erkältung zu schützen, sollte dementsprechend darauf verzichtet werden, eine erkrankte Person auf den Mund zu küssen. Ebenso ist von Küssen in die Nähe von Nase und Augen abzuraten, weil auch durch das Nasensekret und die Augenflüssigkeit eine Ansteckung möglich ist.

Angesichts dieses offensichtlich wirkenden Übertragungswegs sollten jedoch auch andere Möglichkeiten der Ansteckung nicht vergessen werden. Das Risiko, sich durch Küssen auf den Mund mit einer Erkältung anzustecken, ist nämlich nicht höher als bei anderen Arten des Körperkontakts oder durch indirekte Übertragungswege. Manche Studien zeigen sogar, dass es weniger wahrscheinlich ist, sich über den Mund anzustecken, als über Nase und Augen, in die über die Atmung bzw. den Kontakt mit den Händen vermehrt Krankheitserreger gelangen können.[1]

Biologischer Zusammenhang

Erkältungen bzw. grippale Infekte werden durch Viren ausgelöst, die sich an den Schleimhäuten der Atemwege ansiedeln und vermehren. Diese Viren werden durch direkten körperlichen Kontakt oder auf indirektem Weg von Mensch zu Mensch weitergegeben. Dazu gehören etwa Händeschütteln oder das Berühren von Gegenständen, die ein infizierter Mensch benutzt hat (sog. Schmierinfektion). Ebenso ist das Einatmen von Luft, in die durch Niesen oder Husten Krankheitserreger gelangt sind (sog. Tröpfcheninfektion) zu nennen. Es erscheint selbstverständlich, dass durch einen so direkten Kontakt wie dem zwischen zwei Personen, die sich küssen, eine Ansteckung mit Infektionskrankheiten sehr wahrscheinlich ist.

Tatsächlich werden beim Küssen eine große Zahl an Viren und Bakterien ausgetauscht, allerdings erkranken verhältnismäßig wenige Menschen in der Folge. Als Grund dafür wird vermutet, dass die Krankheitserreger durch das Schlucken des Speichels schnell in den Magen geraten und sich in dieser kurzen Zeit nicht an den Schleimhäuten der Atemwege festsetzen.[2] Ein weiterer vermuteter Grund dafür ist, dass Erkältungen in den meisten Fällen durch Rhinoviren ausgelöst werden. Diese gelangen nämlich hauptsächlich durch Einatmen und durch eine Übertragung von den Händen in die Augen- und die Nasenschleimhaut und setzen sich typischerweise nicht an den Schleimhäuten im Rachen fest.[3]

Es ist jedoch durchaus möglich, sich durch Küssen bei einem erkälteten Menschen anzustecken, schließlich existieren mehr als 200 verschiedene Arten von Viren, die Erkältungen auslösen können.[4] Zuletzt hängt es hauptsächlich von der Verfassung des eigenen Immunsystems ab, ob die übertragenen Viren zu einer Erkältung führen, oder ob sie erfolgreich bekämpft werden. Eine Schwächung des Immunsystems kann zum Beispiel durch Verkühlung, Stress oder trockene Raumluft bedingt sein. Wer sicher gehen möchte, sich nicht anzustecken, sollte dementsprechend auf das Küssen verzichten.

Zu beachten

Menschen mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel ältere Personen und Schwangere, sollten in der Erkältungszeit besondere Vorsicht zeigen und auf Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen mit Seife achten.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung