Erkältung: Im Alltag

Erkältung dauert schon 6 Wochen

© PantherMedia / Lev Dolgachov

Die Begriffe „Erkältung“ und „grippaler Infekt“ werden synonym verwendet und bezeichnen eine durch Parainfluenza-, Adeno- oder Coronaviren ausgelöste Infektion der oberen Atemwege. Die viralen Infektionen sind meist selbstlimitierend, was bedeutet, dass sich die Symptome nach 7–10 Tagen von alleine bessern. Allerdings kann eine Erkältung auch länger als gewöhnlich anhalten. Die Dauer eines Schnupfens ist nicht nur von der auslösenden Ursache, sondern auch vom Zustand des Immunsystems abhängig. Man unterscheidet den allergischen Schnupfen, den akuten, selbstlimitierenden Schnupfen und die chronische Erkältung mit ständiger Schleimsekretion und Entzündung der Schleimhäute in Nase und Rachen [1].

Ursachen einer längeren Erkältung

Wie jede andere Erkrankung auch, ist die Abwehr eines viralen Infekts ein Kampf zwischen den Erregern und dem Immunsystem. Ein starkes, gesundes Immunsystem beseitigt den Infekt, wie oben angedeutet, innerhalb von wenigen Tagen. Also führt eine Schwächung oder ein bereits geschwächtes Immunsystem dazu, dass sich Krankheitserreger länger und effektiver im Körper ausbreiten können. Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Häufig wird die Wirkung eines grippalen Infekts unterschätzt und der Körper nicht ausreichend geschont. Wenn den Körper also während einer Erkältung mit Arbeit oder Sport belastet wird, schwächt das auch das Immunsystem.

Die Grundlagen für ein geschwächtes Immunsystem können aber bereits vor einer Erkältung gelegt worden sein. Zu solchen Faktoren zählen neben einem ungesunden Lebensstil (wenig Schlaf, Stress, Rauchen) auch Vitaminmangel. So kann beispielsweise ein Vitamin-D-Mangel eine Infektion der oberen Atemwege begünstigen [2]. Rauchen schädigt das Flimmerepithel, eine spezialisierte Zellschicht der Atemwege, die für den Abtransport von Schleim und Fremdkörpern aus den Bronchien verantwortlich ist. Schleim und Schadstoffe können sich so in den Atemwegen ansammeln und begünstigen eine Besiedlung durch Krankheitserreger [3]. Auch bereits vorliegende Grunderkrankungen, wie beispielsweise Stoffwechselerkrankungen, erhöhen die Anfälligkeit für Infekte.
Wie bereits oben angedeutet, kann eine Allergie ebenfalls schnupfenähnliche Symptome auslösen. Für eine allergische Reaktion sind besondere Zellen des Immunsystems, die Mastzellen, verantwortlich. Diese besitzen Rezeptoren (Fühler) für die die Allergie auslösende Substanz, das Allergen. Bindet das Allergen an die Rezeptoren, kommt es zur Freisetzung von lokal aktiven Gewebshormonen, allen voran Histamin. Histamin führt zu einer Erweiterung der Gefäße und erhöht deren Durchlässigkeit. Flüssigkeit tritt in das umliegende Gewebe über, es kommt zu den für die Allergie typischen Rötungen, Schwellungen und Juckreizen. Diese Entzündungen treten dann vor allem im Bereich der Nasenschleimhaut (Rhinitis) oder der Bindehaut (Konjunktivitis) auf. In einigen Fällen kann auch Asthmaallergie bedingt sein [4].
Alle genannten Faktoren bedingen also eine Schwächung des Immunsystems oder unterstützen eine Anfälligkeit für Krankheitserreger. Zusätzlich zu einem viral verursachten grippalen Infekt können sich dann auch andere Krankheitserreger, besonders Bakterien, im Nasen-Rachen-Raum ansiedeln. Man spricht bei dieser Zweitinfektion mit einer anderen Erregergruppe von einer Superinfektion [5]. Ein typisches Beispiel sind eine nach einem viralen Infekt auftretende Nasennebenhöhlenentzündung oder eine Bronchitis, eine Entzündung der Bronchien.

Behandlung einer längeren Erkältung

Die Behandlung eines chronischen Schnupfens erklärt sich zum großen Teil aus der zugrunde liegenden Ursache. Ziel ist es, das Immunsystem zu stärken und damit sowohl die ursächlich als auch eventuelle Superinfektionen zu bekämpfen. Der Körper braucht mindestens für mehrere Tage am Stück Ruhe und Schlaf und darf in dieser Zeit nicht durch physische oder mentale Belastungen geschwächt werden. Dafür kann es notwendig sein, sich vom Arzt die nötige Krankschreibung ausstellen zu lassen. Das mag unwichtig klingen, ist aber von großer Bedeutung. Verschleppte Infekte können in gefährlichen Zweitinfektionen wie einer Lungenentzündung(Pneumonie) enden.

Gerade wenn sich eine Superinfektion, wie beispielsweise eine Nasennebenhöhlenentzündung, zu verschlimmern oder auszubreiten droht (zum Beispiel in Form einer Mittelohrentzündung), können Antibiotika verschrieben werden. Aber Achtung: Man sollte nicht mit der Einstellung zum Arzt gehen, dass jede verschleppte Erkältung durch eine sofortige Antibiotikatherapie kuriert werden kann oder sollte. Gerade zur Prophylaxe, also zur Vorbeugung, einer weiteren Infektion werden ungern Antibiotika gegeben. Zu häufige Antibiotikagabe unterstützt die Bildung von Resistenzen durch Bakterienstämme, weshalb diese nur bei deutlicher Indikation verschrieben werden.

Zu beachten

Es ist wichtig, eine längere oder verschleppte Erkältung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, da sie zu schweren Zweitinfektionen führen kann. Gerade wenn ein Infekt mehrere Wochen andauert, sollte ein Arzt aufgesucht werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung