Erkältung: Im Alltag

Bei Erkältung schwimmen?

© PantherMedia / Viktor Cap

Von einem Besuch im Schwimmbad und insbesondere im Hallenbad ist während einer Erkältung bzw. eines grippalen Infektes abzuraten. Nicht nur für sich selbst sondern auch für andere Menschen, welche das Schwimmbad besuchen, kann der anfänglich wohltuende Schwimmbadbesuch unangenehme Folgen nach sich ziehen.

Med. Fakten:

Grundsätzlich sollte bei vorhandenen Erkältungssymptomen auf anstrengende körperliche Betätigung bzw. Sport im Allgemeinen verzichtet werden.

Dies ist dadurch zu begründen, dass für die vorliegende Erkältung in den oberen Atemwegen für eine ausreichende Blutversorgung gesorgt werden muss. Denn mit dem Blut gelangen Abwehrzellen und Energie in das entzündete Areal. Diese Faktoren fördern den Heilungsprozess.
Bei sportlicher Belastung wird dem Entzündungsgebiet das Blut aber entzogen und in momentan benötigte Körperteile wie beispielsweise Herz und Muskulatur gepumpt.
Die mit dem Blut gelieferte Energie und Abwehrzellen kommen nur unzureichend im benötigten Körperareal an und verzögern somit den Heilungsprozess.[1] [2]

Außerdem wird bei körperlicher Belastung wie beim Schwimmen das Immunsystem geschwächt. [3]

Dies kann dazu beitragen, dass sich die vorhandene Erkältung bzw. der grippale Infekt verschlechtert oder sogar zu einer Verschleppung der Krankheitserreger führt. Im schlimmsten Fall kann sich eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) entwickeln, die Herzrhythmusstörungen verursachen und bis zum plötzlichen Herztod führen kann.[4] [5]

Vor allem in Hallenbädern kann es neben der bereits bestehenden Erkältung, welche anfangs hauptsächlich durch Viren verursacht wird, zu einer zusätzlichen Infektion (Superinfektion) mit Bakterien oder anderen Krankheitserregern kommen. In diesem Fall bildet sich vor allem bei einer zusätzlichen bakteriellen Erregerausbreitung in der Nase ein eitrig-schleimiges Nasensekret. [6]

Eine weitere Gefahr besteht darin, dass andere Besucher des Hallenbades sich mit  Erkältungsviren anstecken können. Typischerweise werden Viren eines grippalen Infektes bzw. Erkältung (Rhinoviren) über in der Luft befindliche Tröpfchen (Tröpfcheninfektion) übertragen. [7]

Biologischer Zusammenhang:

Für Entzündungsprozess wird Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) benötigt. Mit diesem Molekül ist es erst möglich, neue Zellen (zum Beispiel Immunabwehrzellen etc.) zu bilden und der Infektion Einhalt zu gebieten.

Ist dies nicht möglich, weil ein Großteil des ATPs für die Muskelarbeit benötigt wird, kann gegen die bereits bestehende Entzündung nicht vorgegangen werden. [8]

Außerdem kann es bei körperlicher Belastung zu kleinen Verletzungen in den Muskeln (Mikroläsionen) kommen, die dort eine Entzündungsreaktion auslösen und von der Entzündung in den oberen Atemwegen ablenken können. Zusätzlich werden die Stresshormone Adrenalin und Cortisol bei Sport ausgeschüttet, welche die Funktion von Abwehrzellen unterdrücken (Immunsuppression).[9]

In Hallenbädern befinden sich Substanzen, welche Haut und Schleimhäute reizen können und die natürliche Barriere für Krankheitserreger abschwächen. Somit ist die Vermehrung von beispielsweise Bakterien in der Nase erleichtert.

Eine dieser reizenden Substanzen in Hallenbädern ist das Trichloramin. Es entsteht durch die Reaktion von Chlor mit Harnstoff. Chlor wird zur Desinfektion von öffentlichen Bädern verwendet. Harnstoff befindet sich vor allem im Urin aber auch auf der Haut. Trichloramine bilden auch den typischen Geruch in Hallenbädern.[10]

Zu Beachten:

Auf ein Schwimmbadbesuch sollte während einer Erkältung im Allgemeinen verzichtet werden. Es kann für den Betroffenen und sogar für andere Menschen ein Risiko darstellen.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung