Erkältung: Im Alltag

Mit Erkältung trainieren?

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Wer auf seine Gesundheit achtet, treibt auch regelmäßig Sport. Ob Krafttraining oder Ausdauertraining – effektives Trainieren setzt regelmäßige sportliche Betätigung voraus. Erkrankt man an einer Erkältung, stellt sich die Frage, ob dennoch weiter trainiert werden sollte, z.B. weil selbst gesteckten Ziele erreichen werden wollen. Im Folgenden werden die medizinischen Fakten rund um dieses Thema erläutert. Es wird der biologische Zusammenhang erklärt und schließlich dargestellt, was es besonders zu beachten gilt.

Medizinische Fakten

Regelmäßiges Sporttreiben beeinflusst das Immunsystem nachhaltig positiv.[1]Dies sind allerdings langfristige Effekte. Die Belastung durch eine Trainingseinheit an sich stellt zunächst einen Stressfaktor für den Körper dar[2], der unmittelbar mit einer verringerten Aktivität des Abwehrsystems verbunden ist.[3] Damit droht eine Verschlimmerung der Erkältung. Im Einzelfall ist abzuwägen: Bleibt es bei den harmlosen Symptomen eines grippalen Infekts wie Husten und Schnupfen[4], kann ein gemäßigtes regeneratives Training durchaus erfolgen.[5] Bei Fieber (Körpertemperatur über 38 °C) und anderen schweren Symptomen, z.B. ausgeprägter Erschöpfung, verbirgt sich möglicherweise mehr hinter den Beschwerden als eine harmlose Verkühlung.[6] Es droht beim Trainieren eine Verschlimmerung der aktuellen Erkältung oder die Erkrankung mit einer Folgeinfektion[7], wie z.B. eine Lungenentzündung.[8]

Biologischer Zusammenhang

Bei den Wirkungen des Trainierens auf das Immunsystems des Körpers sollten langfristige von kurzfristigen Effekten unterschieden werden. So zeigte sich in Studien bei Menschen, die regelmäßig moderat Sport treiben, eine bessere Funktion der NK-Zellen. Bei diesen „natürlichen Killerzellen“ handelt es sich um wichtige Abwehrzellen bei der Bekämpfung von Krebs. Auch wurden höhere Immunglobulinspiegel gemessen.[9] Immunglobuline sind körpereigen hergestellte Eiweiße, die zur gezielten Abwehr gegen spezielle Krankheitserreger eingesetzt werden.[10] Dies gilt aber nur bei gesunden Menschen. Nach einer kurzen körperlichen Belastung bei einer Trainingseinheit sind nämlich zunächst höhere Spiegel an Stresshormonen und Entzündungswerten im Blut nachweisbar.[11] So wird z.B. vermehrt Kortison vom Körper produziert[12], welches die Aktivität des Immunsystems reduziert.[13] Vor allem das häufige Trainieren bis zur Erschöpfung erzeugt solche Stresssituationen und verschlechtert nachweislich die Arbeit des Immunsystems. Dies schlägt sich beispielsweise in einer höheren Anfälligkeit für Atemwegsinfekte bei extremem Leistungssport nieder.[14]

Zu beachten

Beim Training wächst die Leistung mit den Herausforderungen. Allerdings darf daraus gerade bei einer Erkältung keine Überforderung werden. Bei grippalen Infekten sind sportliche Wettbewerbe daher unbedingt zu vermeiden. Bestehen keine über die lästigen Symptome einer Verkühlung hinausgehenden Beschwerden, kann aber ein moderates, der Regeneration dienendes Training erfolgen. Keinesfalls sollte die körperliche Leistungsgrenze ausgetestet werden. In vergleichbaren Situationen sind gehäuft Fälle von Herzmuskelentzündung (Myokraditis) und plötzlichem Herztod beobachtet worden.[15] Nach einer erkrankungsbedingten Trainingpause sollte erst langsam wieder mit dem Training begonnen werden.[16] Im Zweifel sollte das Training eher unterlassen, zumindest aber zuvor ärztlicher Rat eingeholt werden.


Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkältung